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Neues Stahlwerk: Die Qual der Wahl

Von Karl Leban

Wirtschaft

Glänzende Zahlen nach neun Monaten. | Eder sieht weit und breit keine Rezession. | Linz/Wien. Stahlboss Wolfgang Eder ist im Schwarzmeerraum gerade eifrig am Sondieren, wo die Voestalpine ihr geplantes zweites Großstahlwerk aus dem Boden stampft. Mehr als zehn Standorte in vier Ländern - Bulgarien, Rumänien, Ukraine und Türkei - kommen für das Riesen-Projekt, das dem Vernehmen nach bis zu fünf Mrd. Euro verschlingen könnte, in Frage. Welcher Standort das Rennen macht, will Eder im zweiten Halbjahr fixieren.


Geplant ist ein hochmodernes Werk in Küstennähe (mit Hafen und Anbindung an die Donau). Das "zweite Linz am Schwarzen Meer" wird mindestens 5000 Mitarbeiter haben und für eine Produktion von fünf Millionen Tonnen Flachstahl ausgelegt sein. Damit will die stark wachsende Voest ihre Erzeugungskapazitäten bis 2013 auf elf Millionen Tonnen hochfahren.

Den Linzer Stahlstandort wie bisher in den nächsten Jahren weiter kräftig auszubauen, wäre schon rein flächenmäßig nicht möglich - deshalb auch der Schwenk ins Ausland. Denn nach Abschluss der letzten Ausbaustufe 2010 wird der Plafond in Linz mit dann sechs Millionen Tonnen endgültig erreicht sein.

Ausblick weiterhin rosig

Von den Schockwellen der Subprime-Krise, die zuletzt vielerorts akute Rezessionsängste ausgelöst hat, spürt die Voest bisher so gut wie nichts. Abgesehen von saisonalen Schwankungen sei die Nachfrage in sämtlichen wichtigen Kundenbranchen "stabil auf hohem Niveau", so Eder. Und das gelte nicht nur für Europa - sondern auch für die meisten anderen Wirtschaftsregionen der Welt. Die für das Geschäftsjahr 2007/08 (per 31. März) schon seit längerem in Aussicht gestellte Rekordbilanz sieht Eder denn auch nicht gefährdet. Zumindest bis in den Herbst hinein sollte die stabile Konjunktur nach seiner Einschätzung anhalten.

Dass es in der Stahlwelt nach wie vor rund läuft, ist vor allem daran abzulesen, dass weitere Preiserhöhungen offensichtlich mühelos durchgesetzt werden können. So wie bereits ArcelorMittal oder ThyssenKrupp hebt auch die Voest ihre Preise an - mit 1. April um zehn bis 15 Prozent bei Flachstahlprodukten. Damit sollen die gestiegenen Kosten auf der Rohstoffseite abgefangen werden.

Ein Fünftel mehr Gewinn

In den ersten drei Quartalen 2007/08 hat die Voest ihre Umsätze um 47,2 Prozent auf 7,53 Mrd. Euro gesteigert. Der operative Gewinn (Ebit) legte um 22,8 Prozent auf 868,5 Mio. Euro zu. Vom Ebit der Neuerwerbung Böhler-Uddeholm, das im Gesamtjahr 2007 um gut ein Viertel auf 476 Mio. Euro stieg, sind darin allerdings nur sieben Mio. Euro enthalten - wegen bilanztechnischer Auflagen.