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Neues Tandem in Nahost

Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

Politik

Bagdad schmiedet Allianz mit Iran und Russland gegen den IS.


Kairo. Russland hat am Freitag erneut Luftangriffe im Bürgerkriegsland Syrien geflogen. Wie Vize-Generalstabschef Igor Makuschew in Moskau sagte, wurden binnen 24 Stunden 60 "terroristische Ziele" in Syrien bombardiert. Nach Militärangaben wurden dabei zwei Kommandeure der Dschihadistenmiliz IS und mehrere hundert Extremisten getötet.

Doch nicht nur die Russen operieren in Syrien militärisch. Seit langem ist der Iran der wichtigste regionale Verbündete des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und unterstützt ihn militärisch wie wirtschaftlich. Auch die vom Iran unterstützte libanesische Hisbollah greift seit einiger Zeit mit Bodentruppen in den Bürgerkrieg in Syrien ein.

Bei den Kämpfen in Syrien ist ein General der iranischen Revolutionsgarden getötet worden. Hussein Hamedani hat die syrische Armee bei den Kämpfen gegen IS beraten, hieß es offiziell aus Teheran. Der Tod des Generals - IS hat sich zu seiner Tötung bereits bekannt - erfolgte zwei Tage nach Beginn einer von russischen Luftangriffen unterstützten Bodenoffensive der syrischen Armee und ihrer Verbündeten. Am Mittwoch hatte nördlich von Hama ein Großangriff begonnen; die Kämpfe haben sich inzwischen in den Norden ausgeweitet. Die Lage in Aleppo selbst ist unübersichtlich. Nicht zu überprüfende Quellen melden erhebliche Geländegewinne durch IS.

Während das Engagement Russlands im syrischen Bürgerkrieg vor allem im Westen auf Kritik stößt, schmiedet der Irak neue Allianzen. Mit Russland, Iran und Syrien an seiner Seite will Bagdad den IS effektiver bekämpfen als bisher und kehrt sich damit von den USA ab. Die von Ex-Präsident George W. Bush bezeichneten Schurkenstaaten werden jetzt zu unverzichtbaren globalen Spielern der Region. Vor allem der Iran, der vor dem Einmarsch der Amerikaner 2003 in den Irak eine völlig unwesentliche Rolle im Mittleren Osten spielte, ist inzwischen zu einer ernst zu nehmende Regionalmacht herangewachsen. Der zu frühe Abzug der USA aus dem Irak überließ das Feld dem Nachbarn Iran, der wiederum den aufziehenden Bürgerkrieg in Syrien, Schurkenstaat Nummer zwei nutzt, um seinen Einflussbereich weiter auszubauen. Und Russland schickt sich nun an, ebenfalls erheblich an Gewicht in der Region zu gewinnen. Der "Islamische Staat" macht es möglich.

Rolle der USA wird eingeschränkt

Der Plan Russlands, die Rolle der USA im Nahen Osten einzudämmen, kommt schneller voran als gedacht. Offen spricht die Regierung des Irak in Bagdad aus, man wolle, dass die Russen eine größere Rolle in der Region spielen als die Amerikaner. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im irakischen Parlament, Hakim al-Samili, spricht schon von russischen Luftangriffen auf irakischem Territorium in allernächster Zukunft. Das hänge davon ab, wie "erfolgreich" die Russen in Syrien seien. "Wir wollen, dass Russland eine größere Rolle im Irak spielt, auf jeden Fall eine größere Rolle als die Amerikaner." Nach dem Beginn der russischen Luftangriffe auf den IS und andere Rebellengruppen in Syrien haben sich die Regierung in Bagdad und einflussreiche Schiitengruppen für eine Ausweitung auf die Stellungen der Islamisten im Irak ausgesprochen. Der Einsatz der USA dort wird allgemein als nicht ausreichend kritisiert. In Militärkreisen in Bagdad gilt der Einsatz als gescheitert.

Der Schritt der irakischen Regierung birgt eine gewisse Brisanz, bedeutet er doch eine deutliche Abkehr von der ehemaligen Besatzungsmacht USA. Schon länger war der Unmut, den Bagdad gegenüber Washington entgegenbringt, nicht mehr zu verheimlichen. Das zaghafte Engagement der US-Regierung im Irak zur Bekämpfung des IS und das Abducken Washingtons in Syrien, sorgen vor allem bei den Schiiten im Irak für Ablehnung. So hört man allenthalben seit dem Blitzkrieg der islamischen Gotteskrieger im Juni 2014, als die Dschihadisten Iraks zweitgrößte Stadt Mossul und weite Teile des Nordiraks einnahmen, dass es der Iran und nicht die USA gewesen sei, der den Irakern beistand. Die Rückeroberung von Tikrit im April besorgten Schiitenmilizen zusammen mit dem iranischen Generalmajor der für Auslandseinsätze zusammengestellten Spezialeinheit Al-Quds-Brigade, Qassem Suleimani, der häufig auch in Damaskus zu sehen ist. Die Amerikaner spielten dabei keine Rolle. Sie griffen erst in das Geschehen ein, als der zweite Angriff des IS auf den kurdischen Norden erfolgte - im August letzten Jahres. Die Zusammenarbeit mit Bagdad ist schlecht, die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Norden kristallisieren sich immer mehr als die Hauptverbündeten der Amerikaner heraus. Offen wird in der Kurdenmetropole Erbil diskutiert, dass Washington einen eigenen kurdischen Staat nicht ablehnen würde und eine Abspaltung vom Rest Iraks befürworte.