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"Neues Waterloo für die ÖIAG"

Von Reinhard Göweil

Wirtschaft

Neo-Investor Ronny Pecik könnte sofort Hauptversammlung beantragen und Aufsichtsräte austauschen.


Wien. Stellen Sie sich vor, die Telekom-Austria-Gruppe wird vollständig privatisiert, und niemand bemerkt es. In den vergangenen Wochen kaufte der Finanzinvestor Ronny Pecik 15,1 Prozent der Telekom Austria. Er will noch knapp 10 Prozent zukaufen und wäre dann auf Augenhöhe mit der staatlichen ÖIAG. In Finanzkreisen wird damit spekuliert, dass er dies aber gar nicht abwartet, sondern schon in Kürze eine Hauptversammlung einberufen will und dort seine Aufsichtsräte installiert. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht. Gerüchte wollen auch wissen, dass Ex-Telekomchef Boris Nemsic für Pecik in den Aufsichtsrat gehen könnte.

Bemerkenswert ist aber die fehlende Diskussion, ob dies gewünscht ist oder nicht. Die ÖIAG selbst schaut dem Treiben Peciks eher passiv zu. Sie hält 28,4 Prozent und stellt mit ÖIAG-Chef Markus Beyrer den Aufsichtsratschef. Finanzministerin Maria Fekter begrüßt Pecik. Bloomberg sagte sie, dass sie sein Management-Know-how schätzt. Nun, Pecik, kennt Telekomunternehmen vor allem als Benutzer von Handys und Computer.

Die tief in der Schuldenbremse- und Euro-Thematik steckende Regierung wird dem Treiben rund um die Telekom erst langsam gewahr. Die Korruptionsvorwürfe rund um Hochegger sowie ehemalige FP- und VP-Funktionäre ließ die Politik insgesamt auf Distanz zum Unternehmen gehen.

AK-Direktor Werner Muhm, der am Freitag mit Bundeskanzler Werner Faymann in Berlin war, findet allerdings deutliche Worte: "Das ist ein neues Waterloo. Diese ÖIAG ist zum Krenreiben, gehört abgeschafft und neu aufgesetzt." Sein Befund: "Die Industrie erzählt uns ständig, es genügen 25,1 Prozent an einem Unternehmen. Für die OMV brauchten wir eine Änderung des Außenhandelsgesetzes, die Telekom ist ein Übernahmekandidat. Nur die Post ist in ruhigem Fahrwasser, aber dort hält die ÖIAG 51 Prozent."

Politisches Faktum ist, dass Fekter der Telekom-Übernahme ruhig zuschaut, ohne dafür in der Regierung einen Konsens hergestellt zu haben. Die keinen besonders konsistenten Eindruck macht. Um die Übernahme der OMV durch Abu Dhabi zu verhindern, wird nun das Außenhandelsgesetz geändert: Außereuropäische Eigentümer unterliegen danach einer österreichischen Zustimmung. Das Gesetz wurde mit Hilfe von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner geändert, VP-Minister wie Fekter.

Vermögensverschleuderung

Muhm: "Die Telekom ist das wichtigste Infrastruktur-Unternehmen Österreichs. Der Aktienkurs ist im Keller. Was im Moment passiert, ist eine Verschleuderung von Vermögen." Tatsächlich liegt der Aktienkurs bei 8,50 Euro, die Telekom Austria ist damit insgesamt 3,8 Milliarden wert. Jedoch allein das Telefon- und Datenleitungsnetz wird auf fünf Milliarden Euro taxiert.

Und ob ein künftiger Investor bereit ist, der Telekom Austria jährlich 500 Millionen Euro in Österreich investieren zu lassen, wird auch in der Telekom bezweifelt. "Ein Investor wird eine höhere Dividende verlangen", rechnet man im Unternehmen.

Pecik hat jedenfalls bisher zirka 560 Millionen Euro für den Telekom-Anteil ausgegeben. Hinter ihm steht der ägyptische Geschäftsmann Naguib Sawiris. Er wollte mit seinem Telekom-Unternehmen Orascom schon vor Jahren mit der Telekom Austria fusionieren. Der Plan scheiterte, da die Verbindlichkeiten des gemeinsamen Unternehmens zu hoch gewesen wären. Ob die Pecik-Gruppe aber die Telekom Austria behalten würde, wird eher gering eingeschätzt. Das "Format" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass sich die norwegische Telenor für die Telekom Austria interessieren würde. Pecik könnte 26 Prozent erwerben, die Norweger in aller Stille vier Prozent. Wenn die Telenor - oder anderer - 30 Prozent an der Telekom hat, ist ein Übernahmeangebot Pflicht. "Wenn eine solche Gruppe 11,50 bis 12 Euro bietet, wäre das unter dem Wert der Telekom, aber viele Aktionäre könnten dem zustimmen", wird in Bankenkreisen vermutet. Dann ist die ÖIAG in jedem Fall Zweiter. Und die Telekom Austria Geschichte.

Was dann passiert ist unklar. Eines ist sicher: Die Telekom verwaltet die Daten von fünf Millionen Österreicher. Und betreibt die Datenknoten, über die alles läuft. Als vor wenigen Wochen einer dieser Datenknoten ausfiel (wegen einer gravierenden technischen Panne), war unter anderen auch das Innenministerium fast einen Tag lang offline. "Die Asfinag ist sakrosankt, aber bei uns schmeißt die Republik einfach wesentliche Infrastruktur weg, ich verstehe es nicht", seufzte ein Telekom-Manager.