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Neumarkter Ritterbräu zum zweiten Mal pleite

Von Kid Möchel

Wirtschaft
Der Prozess um vermuteten Insider-Handel bei der Übernahme der Braun Union durch Heineken ist zu Ende.
© © Piu700 / Pixelio.de

1,8 Millionen Euro Schulden


Neumarkt/Hausruck. Die oberösterreichische Traditionsbrauerei Ritterbräu geht zum zweiten Mal wirtschaftlich baden. Nach Angaben des KSV1870-Experten Harald Neumüller wurde über die Ritterbräu Neumarkt GmbH, die zwölf Bier- und Radlersorten sowie zwölf Limonaden erzeugt, am Landesgericht Wels ein Insolvenzverfahren eröffnet. Den rund 118 Gläubigern wird ein Sanierungsplan mit 20 Prozent Quote angeboten. 17 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen.

Laut Neumüller werden die Verbindlichkeiten mit etwa 1,8 Millionen Euro beziffert, die Aktiva mit rund 600.000 Euro. So soll die Brauerei bei der Volkskreditbank insgesamt vier Kreditverträge über rund 700.000 Euro unterhalten.

Bei Ritterbräu in Neumarkt wird seit rund 400 Jahren Bier gebraut. "Bereits im Jahr 2008 wurden Insolvenzverfahren über das Vermögen der Ritterbräu Privatbrauerei Neumarkt Ges.m.b.H. & Co KG sowie über deren Gesellschafter Ritterbräu Privatbrauerei Neumarkt Ges.m.b.H. eröffnet", weiß Insolvenzexperte Neumüller. "Diese beiden Insolvenzverfahren wurden im Jahre 2009 nach Verteilung einer Gläubigerquote von 9,6 Prozent aufgehoben."

Die im August 2008 gegründete Ritterbräu Neumarkt GmbH hat im Zuge des Konkursverfahrens damals "die zum Weiterbetrieb der Brauerei notwendigen Wirtschaftsgüter, Sachen und Rechte, so insbesondere das bewegliche körperliche Sachanlagevermögen, Markenrechte und auch das Betriebsgrundstück käuflich erworben."

"Trotz vorsichtiger Planung standen Ritterbräu zuletzt nicht mehr ausreichend Mittel, insbesondere für werbliche Maßnahmen, zur Verfügung, um die Marktposition zu halten bzw. sogar auszubauen", heißt es im Sanierungsantrag. "Auch infolge erhöhten Wettbewerbsdrucks im Jahr 2011 konnte kein Umsatz erwirtschaftet werden, der die Finanzkraft des Unternehmens erhalten" hätte können.

Deshalb führte der Geschäftsführer im Auftrag der Gesellschafter "Gespräche mit potentiellen Investoren". Zwar konnte die Gesellschafter im Dezember 2011 mit einem Interessenten eine Sharedeal abschließen, "doch ist die Abwicklung derselben und damit der Einstieg des Interessenten als gescheitert anzusehen".

Am 30. Jänner soll das Gespräch mit der Hausbank vom Interessenten abgesagt worden sein. Am 2. März wurden die Gespräche mit dem Interessenten dann endgültig abgebrochen. Damit musste die Reißleine gezogen werden. Weiter heißt es dazu im Insolvenzantrag: "Mangels auch saisonbedingt ausreichender Finanzierungskraft der Ritterbräu und mangels liquider Mittel, eine Disposition über das Geschäftskonto ist der Antragstellerin wegen faktischer Sperre des Rahmens nicht möglich, ist die Antragstellerin gezwungen, nunmehr den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens zu stellen."