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Neun Stimmen brachten Sieg

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Madrid - Mit nur neun Stimmen Vorsprung vor dem als Favoriten gehandelten Präsidenten der Region Kastilien/La Mancha, José Bono, wurde José Luis Rodriguez Zapatero Samstagabend auf dem Parteitag der spanischen Sozialisten (PSOE) zum neuen Generalsekretär gewählt. Zapatero, der in 11 Tagen 40 wird, gehört dem spanischen Parlament seit 14 Jahren an, sieht in Langzeit-Regierungschef Felipe Gonzalez sein Vorbild und gilt als Erneuerer.


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Bei der Wahl des neuen Parteivorsitzenden entfielen auf Zapatero 414 Stimmen, Jose Bono bekam 105 und die beiden Mitbewerberinnen Matilde Fernandez und Rosa Diez erhielten 109 bzw 65 Stimmen.

Obwohl der am 4. Juli 1960 n Valladolid geborene und in Leon aufgewachsene Zapatero als Politneuling gilt, hat er bereits eine lange politische Karriere hinter sich. Der Enkel eines im Bürgerkrieg von Franco-Anhängern erschossenen Offiziers der Republikanischen Armee trat 1977 nach einer Parteiveranstaltung mit Felipe Gonzalez der PSOE bei. 1982 schloss er sein Jus-Studium in Leon ab und wurde Dozent an der dortigen Universität. 1986 wurde er als jüngster Abgeordneter ins spanische Parlament gewählt, 1988 wurde er Provinzsekretär der PSOE in Leon. im Parlament war er u.a. Mitglied der Verfassungskommission und der Kommissionen für Justiz, Inneres und Öffentliche Verwaltung.

Nach der Wahlniederlage seiner Partei am 12. März dieses Jahres, die den Rücktritt von PSOE-Generalsekretär Joaquin Almunia nach sich zog, zählte Zapatero zur Gruppe jener sozialistischen Nachwuchspolitiker, die sich im Rahmen der Gruppe Nueva Via (Neuer Weg) für eine Neuorientierung der PSOE aussprachen.

Der seit 1990 verheiratete Vater von zwei Töchtern ist, wenn ihm seine politische Tätigkeit Zeit lässt, ein begeisterten Fischer und Wanderer, nennt den Argentinier Jorge Luis Borges als seinen Lieblingsschriftsteller und ist ein Fan des europäischen Films.

In seiner ersten Rede nach der Wahl kündigte er an, dass die PSOE eine sozial nützliche Opposition machen, die internen Strukturen der Partei gründlich erneuert werden sollen und ein Projekt einer neuen Linken und der Modernisierung für Spanien sein Ziel sei.

Für den Posten des Parteipräsidenten, für den Felipe Gonzalez nicht zur Verfügung steht, hat Zapatero den Präsidenten der politischen Kommission, den andalusischen Regionalpräsidenten Manuel Chaves, der die Partei seit Almunias Rücktritt führte, vorgeschlagen.