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Neustart mit Turbulenzen

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Die Buchhandelskette Amadeus ist seit gestern in Hand der zum deutschen Douglas-Konzern gehörenden Thalia-Gruppe. Während die Geschäftsführung bekräftigt, dass es kaum Verschlechterungen für Mitarbeiter gibt, klagen ehemalige Beschäftigte über Gehaltskürzungen.


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Der Neustart bei Amadeus gestaltet sich nicht leicht. Dennnach allen Turbulenzen um den Libro-Konkurs brodelt es in Teilen der Belegschaft. Ehemalige Betriebsräte der Wiener Filialen berichten, dass ihre Verträge nicht verlängert wurden, weil sie ihren Aufgaben als Interessensvertreter nachgekommen seien. Amadeus-Chef Wolfgang Heger dementierte dies gestern gegenüber Journalisten: "Wir haben nur die Verträge jener Mitarbeiter nicht verlängert, deren Leistung nicht entsprochen hat." Darunter seien auch vier der ehemals 10 Betriebsräte. Laut Heger seien nur 10% gekündigt worden, der Betriebsrat hingegen spricht von 15% der Belegschaft. "Ich bin nicht übernommen worden, weil ich Betriebsrat war. Fachliche Inkompetenz kann man mir sicher nicht vorwerfen," berichtet ein ehemaliger Arbeitnehmervertreter der "Wiener Zeitung". Er kritisiert, dass die Thalia-Manager die Möglichkeiten des Konkursrechts voll ausgeschöpft und den Angestellten massive Gehaltskürzungen verpasst hätten: "Die Millionenverluste werden auf dem Rücken der Angestellten ausgebügelt." Ein leitender Angestellter mußte sogar eine Kürzung um 600 Euro pro Monat akzeptieren. Vor allem die Mitarbeiter im W3 bei Wien-Mitte würden über schlechtere Konditionen klagen. Heger dementiert nur teilweise: Es habe notwendige Bereinigungen bei den Gehältern gegeben. Er bestätigt, dass Zulagen zwischen 50 und 200 Euro gestrichen wurden. Jede Kostenposition sei d auf dem Prüfstand gestanden. Die Arbeitsplätze wären so zumindest auf Dauer gesichert.

Amadeus startet nun, so Heger, "voll Elan und mit vollen Regalen." Der Name bleibt vorerst erhalten. Waren im Wert von 4 Mill. Euro konnten wieder bestellt werden. Die Thalia-Gruppe will bis zu 2 Mill. Euro in die Linzer Zentrale investieren, weitere 1,5 Mill. Euro ins Filialnetz. 2003 erwartet sich der Douglas-Konzern einen Umsatz von 40 Mill. Euro.