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Neutrales Österreich soll in Kiew die Wogen glätten

Von Piotr Dobrowolski

Europaarchiv

Premier Janukowitsch will Gusenbauer als Vermittler. | Wien/Kiew. Mit einem Ruf um Vermittlung in der Ukraine-Krise hat sich Premier Wiktor Janukowitsch an Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gewandt. Eine offizielle Antwort bekam er aus Wien vorerst nicht. Bei einer Pressekonferenz in Kiew hat der prorussische Janukowitsch seinen Hilferuf dann auch ein wenig relativiert: "Wenn die Frage der internationalen Vermittlung aktuell wird, werden wir uns auch an die Polen und Russland wenden."


Gerade vor diesem Hintergrund wird Janukowitsch´ Anruf in Wien aber erst verständlich: Bei der orangen Revolution von 2004 spielte der damalige polnische Präsident Aleksander Kwasniewski als Vermittler eine entscheidende Rolle. Kwasniewski stand auf der Seite des prowestlichen Wiktor Juschtschenko, sein Nachfolger Lech Kaczynski tut es ebenfalls.

Russland wiederum unterstützt derart offenkundig Janukowitsch, dass es von Juschtschenko kaum als Vermittler ernst genommen werden würde. Um den ungeliebten Polen zu entkommen und eine Alternative zu den nicht mehrheitsfähigen Russen zu haben, sei Janukowitsch, so heißt es in Kiew, auf Alfred Gusenbauer gekommen. Nicht zufällig betonte Janukowitsch gestern eindringlich, dass Österreich sei ein "neutrales Land" ist.

In der Auseinandersetzung zwischen Juschtschenko und Janukowitsch kam es gestern zu weiteren Feindseligkeiten. Juschtschenko drohte Janukowitsch mit Entlassung und Gerichtsverfahren, sollte der Premier keine Neuwahlen akzeptieren.