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Neuwahlen blockieren AUA-Verkauf: Privatisierung bis 2009 wohl auf Eis

Von Karl Leban

Analysen

Noch ist das Eigenkapital der mit Verlusten kämpfenden AUA positiv. Fragt sich nur, wie lange noch. Branchen-Experten meinen, das Geld reiche bis Mitte 2009. Dann jedoch wäre Schluss. | An der Börse wird eine mögliche Pleite schon jetzt vorweggenommen. Investoren werfen ihre AUA-Aktien in Bausch und Bogen auf den Markt. Binnen Jahresfrist ist der Kurs um mehr als 80 Prozent auf ein historisches Tief von zuletzt 2,13 Euro abgesackt.


Damit wird die gesamte AUA vom Kapitalmarkt nur noch mit 183 Millionen Euro bewertet. Zum Vergleich: Zwei neue größere Airbus-Flieger kosten im Regelfall an die 300 Millionen. Das allein verdeutlicht, wie dramatisch die Situation ist.

So wie die AUA kämpfen derzeit viele andere Fluglinien ums Überleben. Durch die Luftfahrtkrise droht der Branche eine Serie spektakulärer Abstürze.

Für die strategische Neuausrichtung des teilstaatlichen AUA-Konzerns drängt daher die Zeit. Ein starker Airline-Partner muss her - und das so rasch wie möglich. Im Alleinflug wird die AUA dem enormen Kostendruck durch die steigenden Treibstoffpreise nicht Paroli bieten können.

Darum wäre die noch amtierende Regierung gut beraten, vor ihrem Abtritt den Weg für den Verkauf freizumachen. Auf Seiten der ÖIAG und der AUA laufen dafür zwar bereits die Vorbereitungen. Doch ohne Privatisierungsauftrag kann die Staatsholding - sie hält als größter Aktionär 42,75 Prozent der Anteile - nicht in Gespräche mit potenziellen Käufern eintreten. Die Gelegenheit, jetzt noch den Freibrief für die Privatisierung auszustellen, gäbe es am

6. August beim letzten Ministerrat.

Dass es dazu kommt, ist allerdings mehr als fraglich. Denn keine der scheidenden Koalitionsparteien wird unmittelbar vor dem Wahlkampf im September die Verantwortung für das heiße Eisen AUA übernehmen wollen. Im Übrigen fehlt dafür auch der gemeinsame politische Wille.

Einig sind sich SPÖ und ÖVP nur darin, dass bei einem Verkauf österreichische Interessen - vor allem auch die Absicherung des Flughafens Wien - gewahrt sein müssen. Über das Wie der Privatisierung (Totalausstieg oder nur Teilrückzug) gibt es aber starke ideologische Differenzen.

ÖIAG-Chef Peter Michaelis wird daher wohl warten müssen, bis eine neue Regierung im Amt ist. Sollten sich die Koalitionsverhandlungen in die Länge ziehen (wie vor zwei Jahren), könnte die dringend notwendige Privatisierung bis ins Jahr 2009 blockiert sein - mit möglicherweise fatalen Folgen für die AUA.

Der Strategie-Check wird freilich ungeachtet der Neuwahlen am 28. September wie geplant zum Abschluss gebracht. Eine Shortlist der in Frage kommenden Partner wird im AUA-Aufsichtsrat am 28. Juli präsentiert. Ab Ende September liegen dann Handlungsempfehlungen bereit - an die zukünftige Regierung.

Siehe auchPassagier-Zahlen rauf, Aktie runter