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Nicht alles hat ein Ende

Von Francesco Campagner

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Seit einiger Zeit kann ich nur mehr schlecht einschlafen. Irgendwie wirkt auch das beste Schlafmittel, das Fernsehen, nicht mehr so gut wie früher. Etwas hat sich verändert - und nach langem Erforschen meines Gemütslebens bin ich zur Erkenntnis gelangt: Es fehlt mir die letzte Seite, jene, auf der immer das Wort "ENDE" in Versalien für den Abschluss sorgt. Also, um es in die TV-Sprache zu übersetzen: der Sendeschluss samt Bundeshymne und wehender Fahne. Stattdessen geht es im ORF immer munter weiter. Aber nicht mit Sendungen, die ein Aufbleiben lohnenswert machen würden, sondern eine Art "Worst of" des abgelaufenen Tages. Etwa nochmals Kapitel 3, Entblättert, in dem die Leute von nebenan ihr Seelen-Striptease durchführen, besser bekannt als "Barbara Karlich Show". Oder Kapitel 6, Feierstunde, wenn Prominente mampfen, erzählen sie manch merkwürdige Dinge für "Seitenblicke". Unter dem aufwühlenden Titel "Willkommen Österreich" folgt noch der Besuch im Wohnzimmer der Nation, quasi unter dem Motto Bei uns, Bei uns getratscht sowie Nur bei uns. Wer all dies übersteht, ist reif für das "Wetter-Panorama", jeden Tag garantiert frisch geliefert von den schönsten Almen des Landes.

Doch nicht nur ich, auch mein Fernseh-Gerät ist angesichts dessen nicht mehr so ausgeschlafen wie früher. Besitzt dieses Wunderwerk doch eine Funktion, die nach fünfminütiger Sendepause das automatische Ausschalten bewirkt - eine in Zeiten der 24-Stunden-Berieselung zugegebenermaßen anachronistische Ausstattung.