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Nicht auf Schiene

Von Niklas Hintermayer

Politik

Stadtrechnungshofbericht kritisiert die wirtschaftliche Entwicklung der Vienna Ring Tram. Als Worst Case droht sogar das Aus.


Wien. Das eine geht, etwas Neues kommt. Das gilt in diesem Fall auch für die Wiener Verkehrsbetriebe. Als 2008 die Streckenführung der Straßenbahnlinien 1 und 2 verändert wurde, nahmen dies die Wiener Linien zum Anlass, eine eigene Vienna Ring Tram einzurichten. Seit 2009 führt die gelb gefärbte Linie speziell Touristen über die Wiener Ringstraße. Waren es 2012 noch mehr als 64.000 Fahrgäste, kletterten diese auf über 90.500 im Jahr 2015.

Doch der Fahrbetrieb ist in Zukunft alles andere als gesichert. Denn der Stadtrechnungshof kritisierte in einem gestern veröffentlichten Bericht die Kostenentwicklung der Vienna Ring Tram. Die Prüfer kommen zu dem Ergebnis, dass der Betrieb nach wie vor nicht kostendeckend betrieben werden kann. Das liegt vor allem an den steigenden variablen Kosten: Im Beobachtungszeitraum von 2012 bis 2015 stiegen diese um 38.000 Euro auf rund 387.000 Euro an. Einen Großteil davon machten mit 268.800 Euro die Personalkosten aus.

Insgesamt, also nach den Deckungsbeitragsrechnungen, ergibt sich im geprüften Zeitraum jedoch ein Minus von 54.000 Euro. Sollte sich das zwischen 2017 und 2019 nicht bessern, stellt der Rechnungshof gar den Worst-Case in den Raum: Spätestens im Jahr 2020 wäre der Betrieb der Vienna Ring Tram einzustellen - so die Empfehlung Nummer 7.

Bereits Prüfbericht aus 2012

Aber alles der Reihe nach. Bereits 2012 prüfte das ehemalige Kontrollamt der Stadt Wien verschiedene Aspekte der Vienna Ring Tram. Die damals ausgesprochenen Empfehlungen werden nun in dem aktuellen Stadtrechnungshofbericht einer Nachprüfung unterzogen. Außerdem steht die wirtschaftliche Entwicklung seit 2012 im Blickpunkt.

Bei seiner Nachprüfung kommt der Stadtrechnungshof etwa zu dem Schluss, dass die angewandte Deckungsbreitragsrechnung der Wiener Linien nach wie vor wirtschaftlich ungünstig ist. Diese Rechnung ist für die Frage wichtig, ob der Betrieb der Vienna Ring Tram langfristig aufrechterhalten werden kann. Kurz gesagt: Ist der Betrieb rechnerisch gut nachvollziehbar.

Die Wiener Linien sollten sich nicht an einem "Auslastungs-Break-Even-Point" orientieren - vereinfacht gesagt, wie viele Fahrgäste die Ring Tram bestmöglich nutzen können. Vielmehr gibt der Stadtrechnungshof weiterhin "als Zielgröße die jährliche Deckung aller direkt dem Betrieb oder Vienna Ring Tram zuzuordnenden Kosten durch die Erlöse der Vienna Ring Tram" vor. In ihrer Stellungnahme schreiben die Wiener Linien, dass dieser Empfehlung im Plan 2017 bereits Rechnung getragen wird.

Anderen Empfehlungen aus 2012 wurden laut Stadtrechnungshof bereits anhand der Nachprüfung erfüllt: So wurde das Audiosystem, die Tonqualität der Info-Kopfhörer war mangelhaft, um 23.000 Euro verbessert.

Kritik an Personalverteilung

An anderer Stelle kritisiert der Stadtrechnungshof die Personalverteilung der Vienna Ring Tram. So umfasst das Personal einen Fahrer, der die Kopfhörer an die Fahrgäste verteilt sowie einen Zugbegleiter, der einzig die Tickets innerhalb des Zuges verkauft. Weitere Serviceleistungen erbringt der Zugbegleiter nicht. Nach dem Prüfbericht ergibt sich hier ein Einsparungspotenzial: "Es wurde empfohlen, den Ticketverkauf am Schwedenplatz ausschließlich über einen Ticketautomaten durchzuführen und dadurch die Zugbegleitung einzusparen" - so Empfehlung Nummer 4. Die Stellungnahme der Wiener Linien dazu lautet, dass diese wirtschaftlich geprüft wird.

Generell setzt der Stadtrechnungshof bei den steigenden Kosten beim Personal an: "Auch durch Kostenreduktion - vor allem bei den Personalkosten - könnte der Deckungsbeitrag der Vienna Ring Tram weiter verbessert werden". Die Wiener Linien wiederum werden weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der Kostenstruktur prüfen - so die diesbezügliche Stellungnahme.

Zu der schwerwiegendsten Kritik, dass der Betrieb der Vienna Ring Tram spätestens 2020 einzustellen wäre, wenn man zwischen 2017 und 2019 keine schwarzen Zahlen erreicht, schreiben die Verkehrsbetriebe: "Es fließen alle relevanten Informationen in die Analyse ein, um über die langfristigen wirtschaftlichen zu rechtfertigende Betriebsführung zu entscheiden."

Doch nicht nur der Stadtrechnungshof zeigt Schwachstellen auf, auch von den Neos gibt es Kritik: "Es geht nicht, dass die öffentliche Hand die Vienna Ring Tram finanziert, die offensichtlich nicht funktioniert. Ich glaube auch nicht, dass sie ein derartiger Tourismusmagnet ist. Die Wiener Linien haben eigentlich keinen Tourismusauftrag. Die städtischen Betriebe sollen sich besser auf ihre Kernaufgaben konzentrieren sollten, anstatt sich mit Steuergeld erfolglos in der Tourismusbranche zu versuchen", sagt Neos-Verkehrssprecherin, Bettina Emmerling. Sie bringt eine Übernahme durch Private ins Spiel. Trotzdem gelte es vorerst abzuwarten, ob die Wiener Linien die ausgesprochenen Empfehlungen des Stadtrechnungshofes noch umsetzen können.

Aus einem weiteren Stadtrechnungshofbericht geht hervor, dass der Anteil der von den Wiener Linien mit Fremdbussen geführten Strecken zwischen 2007 und 2016 von 30 auf 41 Prozent angestiegen ist.