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Nicht einmal drüber reden

Von Bernhard Baumgartner

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Mehr haben sie nicht gebraucht! Ron und Mavis Pirola aus Sydney, Leiter des "Australian Catholic Marriage and Family Council", haben sich dazu bekannt, dass es in Ordnung sei, wenn der homosexuelle Sohn eines befreundeten Ehepaares seinen Freund zur Weihnachtsfeier mitbringt. So weit, so normal. Doch der Umstand, dass das Paar das vor den 60 Kardinälen und 130 Bischöfen der Synode in Rom als richtig und evangeliumsgemäß bezeichnete und damit spontanen Applaus von einigen Kardinälen erntete, macht sie nun zur Zielscheibe für Konservative außerhalb des Vatikans. Prompt fanden sich Gegner einer Öffnung der Kirche, die das "verstörende Zeugnis" als Beweis dafür sehen, "wie weit sich einige Kirchenführer von den eigentlichen Problemen der Familie entfernt" hätten.

Das ist in der Tat eine interessante Sichtweise. Könnte man doch den Spieß umdrehen und fragen, wie man eigentlich auf die Idee kommen kann, ein zum Zweck des Meinungsaustausches eingeladenes Paar verbal dafür zu ohrfeigen, dass es seine Meinung sagt. Noch dazu vor Kardinälen.

Die ganze Sache zeigt, wie sehr die Nerven angesichts möglicher zaghafter Änderungsversuche seit Jahren umstrittener Punkte blank liegen müssen, wenn man nicht davor zurückschreckt, einander sozusagen johlend vom kirchlichen Rand aus über die Medien Grobheiten auszurichten. Ein Phänomen, das sich übrigens nicht auf die katholische Sphäre beschränkt, finden sich ja auch im evangelikalen Bereich Hardliner, gegen die mancher Kardinal ein Liberaler ist. Der Ring steht jedenfalls frei - zur nächsten Runde im Schlagabtausch.