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Nicht genug Gas für Südösterreich

Von Veronika Gasser

Wirtschaft
Die Kapazitäten der Gasleitung in den Süden sind erschöpft. Sie führt von Baumgarten (Bild) über Niederösterreich, die Steiermark und Kärnten nach Italien. omv

Italienische Eni sperrt sich gegen Ausbau der Gasleitung. | Auch Stromversorgung im Süden ist dadurch gefährdet. | Wien. Im Süden Österreichs gibt es Probleme mit der Gasversorgung. Neue Großkunden wie das Landeshaus Klagenfurt können nicht ans Netz angeschlossen werden, berichtet Energie-Regulator Walter Boltz.


Auch Thomas Starlinger, Vorstand der AGGM (Austrian Gas Grid Management) ist besorgt: "Die Kapazitäten sind in diesem Winter restlos erschöpft. Im nächsten Jahr könnte sogar die Versorgungssicherheit ernsthaft gefährdet sein."

Das stellt auch den Verbund vor große Probleme, denn er möchte im Jahr 2008 ein 780-Megawatt-Gaskraftwerk bei Mellach (nahe Graz) errichten. Sollte der Engpass nicht zu beseitigen sein, kann das Kraftwerk, dass pro Jahr etwa 1 Mrd. Kubikmeter Gas verbrauchen würde, nicht in Betrieb gehen. Boltz rechnet mit einer Bauverzögerung von 2 bis 4 Jahren.

Das stellt auch ein großes Problem für die Stromversorgung im Süden dar, da dort ebenfalls die Netzkapazitäten an ihre Grenzen geraten sind. Eine Stromleitung, die den Norden mit dem Süden verbinden und das Problem beseitigen soll, ist in Vorbereitung.

Leicht lösbares Problem

Eigentlich wäre der Gasengpass leicht zu beheben. Die Süd-Transitleitung (TAG), die von Baumgarten, an der Grenze zur Slowakei, über Niederösterreich, die Steiermark und Kärnten nach Italien geht, müsste verstärkt werden. Dazu wären nur zwei Kompressor-Stationen notwendig, die es ermöglichen, mehr Gas durch die Rohre zu schicken. Die Investition ist laut Boltz keine finanzielle Belastung. Doch der Ausbau scheitert am Veto der Eni. Der italienische Gasmonopolist ist nämlich Haupteigentümer (89 Prozent) der TAG, die restlichen Anteile gehören der OMV. Derzeit legen sich die Italiener gegen eine baldige Verstärkung der Kapazitäten um 6,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr quer.

Und zwar aus gutem Grund: Gas ist in Italien, wegen der Engpässe, um 20 Prozent teurer als in Österreich. Neue Mitbewerber haben keine Chance, Gas zu bekommen. Das wiederum verschafft der Eni, die im südlichen Nachbarland als Versorger den Markt beherrscht, gute Einnahmen.

Die Engpass-Rendite wäre jedoch durch den Ausbau gefährdet. Dann könnten nämlich Konkurrenten darauf bestehen, die zusätzlichen Gasmengen zu ersteigern, um sie dann in Italien anzubieten. Das wäre im Sinn des italienischen Energie-Regulators, Alessandro Ortis, der sich schon seit Jahren um Wettbewerb und eine sichere Gasversorgung bemüht.

Denn schlimmer als Österreich ist Italien betroffen: Vergangenen Winter musste Großkunden das Gas abgedreht werden, weil nicht mehr genug verfügbar war. Für den Regulator handelt es sich um unzumutbare Zustände. Deshalb werden in der Causa TAG-Ausbau Boltz und Ortis am 7. Dezember gemeinsam in Brüssel vor die Presse treten.

Beide führen auch Gespräche mit der EU-Kommission, auch sie soll sich der leidigen Angelegenheit annehmen und Druck machen. Boltz räumt ein, dass im Gaswirtschaftsgesetz - es wurde von der E-Control verfasst - der Eni weitreichende Verfügungsrechte über die TAG eingeräumt wurden: "Das war leider ein Fehler. Denn die Großzügigkeit gefährdet nun sowohl die Gas- wie auch die Stromversorgung in Südösterreich."