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"Nicht haltbare Heilsanpreisungen"

Von Ina Weber

Politik

Vorsitzender | Huber: Notwendige Grundlagenforschung. | Gehrer gegen embryonale Stammzellenforschung. | Wien. US-Präsident George W. Bush hat sich vergangenen Donnerstag gegen die Förderung von embryonaler Stammzellenforschung ausgesprochen. "Es überschreitet eine moralische Grenze, die unsere Gesellschaft respektieren muss", meinte er.


Dieser Meinung ist auch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Den am Montag erzielten Kompromiss der EU-Forschungsminister zur weiteren Finanzierung von embryonaler Stammzellenforschung aus EU-Mitteln lehnte sie für Österreich ab. Sie appellierte an ihre Kollegen, ob diese tatsächlich "300 bis 400 Embryonen für die Erzeugung einer Stammzellenlinie zerstören" wollten. Österreich sei gegen die embryonale, aber für die adulte Stammzellenforschung.

Eine etwas differenziertere Sicht nimmt die Bioethikkommission ein. Vorsitzender Johannes Huber warnte am Donnerstag zwar vor "unseriösen und unhaltbaren Heilsanpreisungen" - "tatsächlich sind wir derzeit noch auf dem Stand der Alchemie" -, würde aber die embryonale Stammzellenforschung nicht per se ablehnen. So fallen bei der Befruchtung im Reagenzglas Embryonen im Vierzell-Stadium an, die zwar leben, aber unmöglich zu Menschen werden können. Diese könnte man, anstatt sie zu vernichten, für die Grundlagenforschung einsetzen.

Schwerpunkt der Kommissionsarbeit bildeten zuletzt Fragen im Zusammenhang mit Biobanken, der Sammlung von Proben menschlicher Körpersubstanzen. Debattiert wird, ob der Spender Recht auf Information hat, was mit dem Material passiert. Der entsprechende Bericht wird im kommenden Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Stammzellenforschung

Stammzellen sind Körperzellen, die noch nicht ausdifferenziert sind. Das heißt, sie liegen noch nicht in einer Form vor, die sie für ihre Verwendung im Organismus spezialisiert (zum Beispiel als Hautzelle oder Leberzelle).

Die Art der Gewinnung von humanen Embryonalen Stammzellen (hES) durch In-vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung) ist in der Gesellschaft heftigst umstritten, da zu ihrer Gewinnung die Zerstörung von menschlichen Embryonen erforderlich ist. Befürworter erhoffen sich unter anderem eine Heilung schwerer Krankheiten, wie Parkinson oder Diabetes.