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Nicht Herr im eigenen Haus: Die Jahre 1945 bis 1955

Von Friedrich Weissensteiner

Politik

Die Österreicher hatten in der Schicksalswahl im November 1945 ein Zeugnis politischer Reife abgelegt und die Weichen für eine demokratische Zukunft gestellt. Freilich: Sie waren nicht Herren im eigenen Haus. Wenn sich auch durch das 2. Kontrollabkommen vom 28. Juni 1946 der Spielraum der Regierung deutlich erweiterte, außenpolitisch war das Land von den Entwicklungen in der Weltpolitik abhängig.


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Ein paar Jahre nach 1945 mündeten die Spannungen zwischen den beiden Supermächten, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den Kalten Krieg. Im Februar 1948 übernahmen die Kommunisten in der Tschechoslowakei die Staatsmacht, in Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn hatten die die Sowjets bereits zuvor volksdemokratische Regime etabliert. An den Grenzen Österreichs ging der Eiserne Vorhang nieder.

Im Juli 1948 löste die Blockade West-Berlins durch die Sowjets, der der Westen mit einer Versorgung der Stadt aus der Luft begegnete, in Österreich große politische Ängste aus. Wien lag inmitten der Sowjetzone. Drohte der Stadt das Schicksal Berlins? Trug sich der Kreml mit der Absicht, Ostösterreich seinem Imperium einzuverleiben?

Die Besorgnisse waren nicht unbegründet, die Teilung des Landes stand zu befürchten. Von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt, wurden von den westlichen Alliierten und der Regierung allerlei Gegenmaßnahmen getroffen.

Der Ernstfall trat nicht ein. Während es durch die Gründung der westlich orientierten Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der kommunistischen Deutschen Republik (DDR) 1949 mit Folgewirkungen, die bis in unsere Zeit reichen, zur Teilung des Landes kam, blieb die staatliche Einheit Österreichs gewahrt.

Im September/Oktober 1950 entstand noch einmal eine bedrohliche Situation, als es wegen des großen Preisauftriebs zu einer Streikbewegung mit Massenaufmärschen kam, die von der KPÖ agitatorisch geschürt und gelenkt wurde. Ein für den 4. Oktober ausgerufener Generalstreik, der von der sowjetischen Besatzungsmacht da und dort unterstützt wurde, scheiterte am entschlossenen Widerstand der sozialdemokratischen Arbeiterschaft unter der Führung des Gewerkschaftsfunktionärs Franz Olah und anderer Gruppierungen.

1955 erhielt Österreich durch den Staatsvertrag seine Souveränität zurück. Die Besatzer zogen ab. Es war vor der Wende des Jahres 1989 und auch danach zum ersten und einzigen Mal, dass die sowjetische Staatsführung ein Territorium aufgab, das von der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg okkupiert worden war.