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Nicht mehr tief im Tal der Tränen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Flügel-Absatz steigt wieder: 2006 um zehn Prozent. | Rückkehr in die Gewinnzone für 2008 angepeilt. | Bawag wird sich auf eine Minderheit zurückziehen. | Wien. Bisher war die Wiener Klaviermanufaktur Bösendorfer für die 2001 eingestiegene Bawag ein millionenschweres Grab. Bald schon steht unter dem neuen Bawag-Eigentümer Cerberus die Suche nach einem Partner für den renommierten, aber defizitären Betrieb an. Hässliche Misstöne begleiten dessen Geschäft seit Jahren, doch zuletzt haben sich wieder vermehrt Wohlklänge eingestellt.


Weiteren Bedarf für eine Finanzspritze sieht Bösendorfer-Chef Alfred Zellinger vorerst "keinen", wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont.

2006 konnte Bösendorfer nach längerer Durststrecke mit stark rückläufigem Absatz erstmals wieder mehr seiner weltberühmten Flügel verkaufen. Laut Zellinger wurden insgesamt 321 Stück abgesetzt - um rund zehn Prozent mehr als 2005 (292 Stück). "Wir haben das Einmaleins des Marketings ausgepackt", sagt Zellinger zu den Gründen. Am Marketing hat es lange Zeit gekrankt. Punkten konnte Bösendorfer in dem von Amerikanern und Asiaten dominierten Markt zum Beispiel mit aggressiven Paketangeboten im Zuge einer Frühjahrsaktion.

Außerdem zahlt die Firma ihren Handelsvertretern nun Provisionen, um sie für bessere Verkaufsleistungen zu motivieren.

Verluste eingegrenzt

Gestiegen ist im vergangenen Jahr auch der Umsatz - um 10,7 Prozent auf 14,4 Mio. Euro. Die Verlustserie hat sich zwar fortgesetzt, laut Zellinger konnte das Minus mit den höheren Erlösen aber deutlich verkleinert werden. Konkrete Zahlen will der Manager derzeit keine nennen, weil das Testat der Bilanz noch aussteht. Dem Vernehmen nach betragen die Verluste knapp mehr als eine Million Euro, nach fast zwei Millionen im Jahr 2005. Um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, muss Bösendorfer zumindest 420 Flügel verkaufen. "Wir sind auf dem Weg dahin", sagt Zellinger. 2008 soll es soweit sein.

Zu Spitzenzeiten hat Bösendorfer mehr als 460 Flügel verkauft. Auf dem Weg nach oben will Zellinger in diesem Jahr den Absatz um ein knappes Fünftel auf 380 Stück steigern. "Die Trendwende ist im vergangenen April gelungen und hat sich bisher bestätigt", so der Bösendorfer-Chef. "Momentan verkaufen wir alles, was wir produzieren." Für gute Auslastung in der Wiener Neustädter Bösendorfer-Klavierfabrik (dort sind 150 Mitarbeiter beschäftigt) sorgt vor allem der im Herbst hereingenommene und noch heuer abzuarbeitende Großauftrag der Musikuniversität Wien, die allein 42 Flügel bestellt hat.

Neues Hightech-Klavier

Daneben verspricht sich Zellinger von einer Produktneuheit des Hauses, dem Computerflügel "Ceus", auf den man besonders stolz ist, weitere Impulse für das Geschäft. Seit Mitte 2006 im Verkaufsprogramm von Bösendorfer, werde dieser Flügel vom Markt wegen seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten "sehr gut aufgenommen".

Ebenfalls zu den Innovationen in der Pipeline Bösendorfers gehört ein neuartiges Keyboard, das dem Spieler - anders als die im Musikbetrieb gängigen Instrumente - "echte Konzertflügel-Mechanik vermittelt" (Zellinger). Drei Prototypen dieses Keyboards befinden sich derzeit in der Testphase. Sobald 100 Bestellungen einlangen, will Zellinger in die Serienfertigung gehen.

An dem mit rund 180 Mitarbeitern zuletzt praktisch konstant gebliebenen Personalstand wird nicht gerüttelt. Kündigungen sind für Zellinger kein Thema: "Zur Zeit suchen wir sogar Leute." Im Vertrieb - den will Zellinger weiter verstärken - soll ein Verkäufer für Asien und ein Junior-Verkäufer für Zentraleuropa eingestellt werden.

Vom Gesamtumsatz Bösendorfers entfallen 90 Prozent auf ausländische Märkte - und nur zehn Prozent auf Österreich. Der Hauptmarkt im Ausland sind die USA mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent, gefolgt von Europa (36 Prozent). In Asien sind für Bösendorfer vor allem Japan und China die größten Märkte - dort ist auch auf Grund vieler lokaler Mitbewerber die Konkurrenz am stärksten spürbar. Anders als in den USA und Europa, wo man 2006 bei den Umsätzen zweistellige Zuwachsraten einfahren konnte, gab es für Bösendorfer in Asien ein "kleines Minus".

In den Konzertsälen rar

Ausgerichtet ist das heutige Geschäft der 1824 gegründeten Firma vor allem auf vermögende Haushalte und den Schulbetrieb. Aus den Konzertsälen ist Bösendorfer nahezu verschwunden. Gespielt wird vielmehr auf Steinway (USA) oder Yamaha (Japan), die den klanglichen Vorstellungen der Pianisten offenbar eher entsprechen. Unter namhaften Künstlern sind es vor allem Klassik-Pianisten wie etwa Andras Schiff, Paul Badura-Skoda oder Roland Batik und Pop-Barden wie Elton John oder Billy Joel, die einen Bösendorfer spielen.

Zum geplanten Verkauf meint man bei Bösendorfer: "Wer immer neuer Eigentümer wird, muss sich in der Branche auskennen." Wie berichtet, will der US-Fonds Cerberus, sobald er im Bawag-Reich die Fäden zieht, einen Partner für Bösendorfer suchen. Die Bawag soll mit einer Minderheit "substanziell" beteiligt bleiben. Der im Vorjahr auf Eis gelegte Verkaufsprozess wird aufgewärmt. Laut Zellinger wird man bei der Partnersuche auf jene zurückgreifen, die bereits geboten haben.