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Nicht nachmachen, bitte

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Und wieder hat ein traditioneller Fußball-Klub einen neuen Investor gefunden, endlich, ist man auf den ersten Blick geneigt zu sagen. Schließlich hat die bisherige Hauptaktionärin von Olympique Marseille, Margarita Louis-Dreyfus, den Klub schon im Frühjahr zum Verkauf gestellt, das Interesse hielt sich aber in Grenzen. Denn Olympique verfügt zwar über viele Trophäen aus früheren Zeiten, eine reiche Tradition und eine breite Fanbasis; zuletzt taumelte man aber sportlich wie finanziell dahin. Die vergangene Ligue-1-Saison schloss der Champions-League-Sieger von 1993 und neunfache französische Meister nur an der 13. Stelle ab, im Cup erreichte man zwar das Finale, doch vom 2:4 gegen Paris Saint-Germain konnte man sich auch nichts kaufen. Stattdessen musste der Klub, der Probleme hat, die Miete für das Stade Vélodrome zu zahlen, auch im Sommer Spieler hergeben. Wenn nun ein Investor kommt, mit dem erklärten Ziel, den Verein wirtschaftlich zu stabilisieren, die besten Spieler zu verpflichten und "jedes Jahr" um Titel mitzuspielen, hört man das für gewöhnlich nicht ungern - zumal auch die bisherige Klubführung in den Verdacht dubioser Finanzgebarung gekommen ist. Dass nun aber der US-Geschäftsmann Frank McCourt der Heilsbringer sein soll, ist doch bemerkenswert. Auf der Klub-Homepage wird der 63-Jährige als sportpassionierter Ex-Eigentümer des Baseballklubs Los Angeles Dodgers beschrieben. So weit, so gut. Allerdings ist er eher dafür bekannt, die Dodgers nahe an den finanziellen Ruin geführt zu haben (ehe er sie gewinnbringend verkauft hat). Das ist auch eine Leistung - aber eine, die für Marseille eher nicht zur Nachahmung empfohlen ist.