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Nicht Nächstenliebe, sondern Macht: Wieso Helmut Elsner Geld verschenkt

Von Wolfgang Zaunbauer

Analysen

Verschenkt ein Bankdirektor Geld, nur weil er es kann? Offensichtlich ja, jedenfalls gehen Staatsanwalt und Richterin im Fall von Helmut Elsners "Geldgeschenk" an Hermann Gerharter davon aus. Der Bawag-Boss soll aus Mitleid dem früheren Konsum-Chef, dem ja damals so übel mitgespielt wurde, unter die Arme gegriffen haben. "Mach Dir keine Sorgen, ich helfe Dir", wie es Staatsanwalt Georg Krakow formulierte. Helmut Elsner als großzügiger Wohltäter - ein etwas seltsames Bild, wenn man sein Auftreten vor Gericht in den letzten 101 Prozesstagen berücksichtigt.


Doch nicht Nächstenliebe war laut Urteil das Motiv, sondern Machtausübung. Ah, das klingt schon eher nach Elsner. Es wirkt zwar absurd, angesichts der Gegebenheiten in der einstigen Gewerkschaftsbank aber durchaus realistisch. Dort herrschte seit den Tagen von Elsners Vorgänger Walter Flöttl ein strenges Regime. Was der Generaldirektor sagte, war Gesetz. Bei der Belegschaft rief das nicht etwa Unmut hervor, sondern Bewunderung.

Damit erklärt sich das Gericht auch das Motiv von Elsners langjährigem Adlatus, Ex-Bawag-Generalsekretär Peter Nakowitz, beim Treiben seines Chefs mitzutun. "Falsche Loyalität", sagt der Staatsanwalt.

Bei Gerharter ist das Motiv relativ einfach: Geld. Zwar habe er es nicht gewollt, aber dann doch genommen.

Stellt sich noch die Frage nach dem Strafmaß. Auch hier ist es bei Gerharter simpel. Er ist geständig, aber vorbestraft. Bei Nakowitz wurde seine bisherige Unbescholtenheit berücksichtigt. Ebenso bei Elsner. Diesem unterstellt die Richterin aber "eine hohe kriminelle Energie". Klingt fast so, als stünde für sie die Schuld Elsners auch im Hauptprozess um die Karibik-Geschäfte schon fest.

Dies würde auch die zweieinhalb Jahre Haft erklären. Eine solche Strafe haben andere schon für weit weniger ausgefasst. Doch offensichtlich wollte sich die Richterin noch ein Polster für das zweite (richtige) Bawag-Urteil lassen. Schließlich kann sie Elsner höchstens zu insgesamt zehn Jahren verurteilen.

Die übrigen Angeklagten werden wohl zu rechnen beginnen: Elsner kriegt als Hauptangeklagter höchstens noch siebeneinhalb Jahre. Dementsprechend geringer dürften ihre Strafen ausfallen.