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Nicht noch eine solche Privatisierung

Von Helmut Dité

Analysen

Gerade rechtzeitig zur neuen Privatisierungsdebatte ruft sich das Lehrbeispiel dafür in Erinnerung, wie man Staatseigentum nicht verscherbeln sollte: Austria Tabak verschwindet endgültig, die letzten der einstmals weit mehr als 2000 Mitarbeiter müssen gehen.


Als in der Ära Schüssel-Grasser die - schon teilprivatisierte - Austria Tabak an die britische Gallaher-Gruppe verkauft wurde - ohne Not und zu billig, wie Kritiker damals monierten - war der heimische Ex-Monopolist gerade dabei, sich in den wachsenden Ostmärkten bestens zu etablieren. Auch in Schweden hatte man ein großes Unternehmen dazugekauft; man war auf gutem Weg, ein europäischer Player zu werden, hätte von der Größenordnung her durchaus auch selbst die Engländer übernehmen können, statt umgekehrt.

Aber: Die Farbe des Managements mit dem ehemaligen Androsch-Büroleiter Beppo Mauhart an der Spitze passte halt so gar nicht in die Wendezeit. Also: Verkauf an Gallaher - denen es expressis verbis vor allem um den Markt im Osten ging.

Kaum war die vereinbarte Standortgarantie abgelaufen, begann die Filetierung, streng nach Handbuch: Fabriken wurden geschlossen, Assets wie Grundstücke und das Hauptquartier-Palais in der Wiener Porzellangasse abverkauft - samt wertvoller Kunstsammlung.

Wie die Globalisierung so spielt - ein paar Jahre später wurde Gallaher selber von einem noch größeren Fisch geschluckt: Auch für Japan Tobacco waren die stark wachsenden Märkte in Osteuropa ein Leckerbissen.

Dort wurden aber nicht mehr die Austria-Tabak-Marken, sondern die eigenen Brands forciert. Statt der schon bestens eingeführten Memphis gab es in den Nachbarländern plötzlich nur noch Winston und Camel, auch im Stammland schrumpfte der Marktanteil von Memphis und Co. immer schneller. Bald wird die letzte Memphis - gedreht in Polen - ausgedrückt sein.

Schuld sind nicht, wie behauptet, Rauchverbote, böse Schmuggler oder schrumpfende Umsätze: Japan Tobacco weist per Ende 2010 "in allen west- und osteuropäischen Kernmärkten" schöne Wachstumsraten und Rekordgewinne aus.

Apropos: Die Mehrheit des Tabakriesen Japan Tobacco gehört dem japanischen Staat.