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Nicht nur die Spekulanten haben den Ölpreis auf die 100-Dollar Marke gejagt

Von Konstanze Walther

Analysen

Anfang des Jahres hat ein einzelner Händler den Ölpreis kurzfristig über die 100-Dollar-Marke getrieben. Richard Arens, der eine Ein-Mann-Firma in den USA betreibt, bot damals für 1000 Barrel (die Mindestgrenze an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex) exakt 100.000 Dollar - für einen Platz in der Geschichte des Ölmarktes. Kurz darauf verkaufte er wieder und machte einen Verlust von 600 Dollar. "Er wollte bloß seinen Enkeln erzählen, dass er als erster auf der Welt 100 Dollar für ein Barrel gezahlt hat", erklärte ein Analyst damals dem britischen Sender BBC.


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Hätte Arens acht Wochen zugewartet, hätte er nicht 600 Dollar verloren. Denn vergangenen Dienstag ist der Ölpreis vorübergehend auf den neuen Rekordwert von 100,10 Dollar pro Barrel (159 Liter) gestiegen. Erstmals schloss auch der Handel über der 100 Dollar-Marke. Zur Erinnerung: Im Oktober 2007 galt der damalige Preis von 85 Dollar als neue Rekordhöhe.

Einige Spekulanten argumentierten die neu erklommene Höhe mit der Befürchtung, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ihre Produktion im kommenden Monat drosselt - ihr nächstes Treffen ist am 5. März.

Eine Befürchtung, die in Teilen der Branche als höchst unwahrscheinlich gilt. Denn falls die Ölpreise auf diesem hohen Niveau bleiben, wird sich kaum eines der Opec-Mitgliedsländer für eine Verringerung der Exporte aussprechen.

Dass in dieser Woche der Ölpreis über 100 Dollar gestiegen ist, liegt nur zu einem Teil an Spekulanten. Denn unglücklicherweise fällt derzeit eine Fülle geopolitischer Risken mit einer Häufung von Wartungsarbeiten zusammen.

Zum einen hat Venezuela vergangene Woche Exxon Mobil den Ölhahn zugedreht, nachdem Exxon Gelder Venezuelas in Folge eines Gerichtsstreits einfrieren hat lassen. Damit hat die USA einen großen Lieferanten (1,5 Millionen Fass pro Tag) zumindest vorübergehend verloren. Die USA leiden auch darunter, dass kürzlich eine Explosion eine Raffinerie in Texas lahmgelegt hat.

In Westafrika wiederum beeinträchtigen politische Unruhen ebenso wie Wartungsarbeiten an Ölfeldern die Produktion - die sich sonst auf 500.000 Barrel täglich belaufen würde.

Und auch Russlands Lieferungen werden behindert: Reparaturen legen eine Pipeline über der Baltischen See lahm. Eine andere Pipeline (Druschba) liefert dagegen seit Anfang der Woche um 25 Prozent weniger Öl nach Deutschland. Denn der Lieferant Lukoil hat wegen eines Streits über den Lieferpreis mit dem Generalimporteur für russisches Öl, Sunimex, seine Lieferungen teilweise heruntergefahren.

Unsicherheitsfaktor bleiben die USA. Falls diese tatsächlich in einer Rezession landen, würde deren Öl-Nachfrage deutlich nachlassen und den Ölpreis drücken. Denn der größte Öl-Konsument bleibt immer noch die USA.