Zum Hauptinhalt springen

"Nicht so verlässlich passiv"

Von David Ignatius

Gastkommentare
Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Russlands Aggressivität abwehren, Grenzen klarmachen, zu militärischen Reaktionen bereit: Gates über seine Beratungstätigkeit für Trump.


Bob Gates, früherer Verteidigungsminister, CIA-Chef und stellvertretender nationaler Sicherheitsberater, hat für die letzten fünf US-Präsidenten gearbeitet, republikanische wie demokratische. Jetzt berät er auch den künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Darüber und über die Möglichkeiten und Fallen auf dem Weg habe ich mit Gates gesprochen.

Ganz oben auf Gates’ Liste steht die richtige Balance zwischen dem Verbessern der Beziehungen zu Russland einerseits und einem zu kooperativen Eindruck Wladimir Putins Angriffslust gegenüber. Es gehe um die Herausforderung, erklärte Gates, "den Teufelskreis in den Beziehungen USA-Russland zu durchbrechen, der wirklich gefährlich war, sowie Putins Aggressivität abzuwehren. Wenn man nur den Teufelskreis durchbrechen will, glaubt Putin, er kann machen, was er will. Wehrt man ihn nicht ab, ist das Risiko, dass er die Lage ausnutzt, größer. Man muss ihm die Grenzen klarmachen und dass die USA reagieren werden - auch militärisch, falls nötig."

Gates sagte, wäre er Verteidigungsminister gewesen, als im April russische Jets "gefährlich nahe" über US-Kriegsschiffen im Baltischen Meer vorbeizogen, hätte er empfohlen, eine Nachricht an Moskau zu senden, dass beim nächsten Mal geschossen werden könnte. Wenn Trump zu begierig wirkt, mit Russland zu kooperieren, warnt Gates, werde das in Europa, in China, in Nordkorea und im Iran den Eindruck erzeugen, dass Trump "nicht zum nötigen harten Handeln bereit ist".

Gates teilt seine Rolle als inoffizieller Berater des Übergangsteams von Trump mit zwei anderen erfahrenen Mitarbeitern der Regierung Bush: Ex-Außenministerin Condoleezza Rice und dem früheren nationalen Sicherheitsberater Stephen Hadley. Die drei führen das Consultingunternehmen RiceHadleyGates, das Kandidaten für die neue Regierung vorgeschlagen hat, auch Rex Tillerson und James Mattis, die neuen Außen- und Verteidigungsminister.

Was Gates beunruhigt, ist die Vielfalt an Mitarbeitern rund um Trump, die versuchen, ihn zu beeinflussen. Das bringe nur Unordnung. "Die Einarbeitungsphase wird stürmisch", kündigt Gates an. Trump glaubt, dass sein Erfolg auf seinen sorglosen, ungeschulten Stil zurückzuführen ist und auf seine Botschaften auf Twitter. Was Gates Trump hoch anrechnet, ist die Auswahl von starken Persönlichkeiten für Schlüsselpositionen: Tillerson, Mattis und John Kelly für den Heimatschutz. "Trump ist bereit, sich mit sehr starken Persönlichkeiten zu umgeben, die ihm sagen werden, was er wissen muss."

Gates, Hadley und Rice haben auch mit ausländischen Regierungen gesprochen, die nicht so recht wissen, wie sie mit Trump umgehen sollen. Gates sieht manchen Vorteil darin, dass die USA "nicht so verlässlich passiv" sind, wie es bei der jetzigen Regierung Obama den Anschein hat. Idealerweise, so Gates, könnten die USA Russland und China im Unklaren darüber lassen , wo es langgeht. Das jedoch erfordert eine strategische Vision und disziplinierte Durchführung - zwei Qualitäten, die Trump erst beweisen muss.

Übersetzung: Hilde Weiss