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Nie wieder Wembley-Tor

Von Christian Mayr

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Wenn am Freitag in London England und Deutschland zum freundschaftlichen Länderspiel-Kracher aufeinandertreffen (21Uhr/ZDF), dann ist eines im Vorfeld gewiss: Ein Wembley-Tor wird es nicht mehr geben. Auch keine Lampard-Latte. Also gegebene Nicht-Tore (durch Geoff Hurst im WM-Finale 1966) und nicht-gegeben Tore (durch Frank Lampard im WM-Achtelfinale 2010). Denn diesmal kommt beim Klassiker in Wembley neben der Torlinientechnik erstmals auch der Videobeweis - der sogenannte Video Assistant Referee - zu Anwendung. Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte man sich freilich gar nicht aussuchen können, denn in Deutschland ist der seit heuer im Testbetrieb befindliche Video-Referee aktuell in etwa so beliebt wie Harvey Weinstein in Hollywood. Dabei konnten sich vor ein paar Monaten noch gut zwei Drittel der Bundesliga-Fans für (angeblich) mehr Gerechtigkeit, für das (angebliche) Ende von Fehlentscheidungen und für die (angebliche) Entlastung der Schiedsrichter - alles entsprechende Videobeweis-Versprechungen - erwärmen. Doch nachdem in Deutschland praktisch keine Runde ohne Pannen verging - das Spektrum reicht von langen Wartezeiten bis zu Fehlentscheidungen just durch den Video-Schiedsrichter - wird mittlerweile der Abbruch der Testphase gefordert. Erst recht nach dem Super-GAU in Form der Absetzung von Projektleiter Hellmut Krug, der in unzulässiger Weise in eine Partie seines ihm nahestehenden Klubs Schalke eingegriffen haben soll. Sein Nachfolger, Lutz Michael Fröhlich, will nun natürlich alles besser machen - allein, vielen fehlt der Glaube. Denn lieber diskutieren die Fans über Fehlentscheidungen echter Referees als über den immer lästiger werdenden Videobeweis. Dann lieber doch wieder mal ein Wembley-Tor.