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Niederländer interessiert nur Wilders

Von Thomas Burmeister

Europaarchiv

Rechtspopulisten überschatten die Gemeinderatswahlen. | Almere. (dpa) Geert Wilders bringt Leute zum Lachen. Mit Häme. "Mein Redetext wird nachher auf arabisch verteilt", sagt er. "Für die Sozialdemokraten und ihre Wähler. Die verstehen kein Niederländisch." Das Publikum klopft sich vor Freude auf die Schenkel. Als Wilders spricht, lodern Flammen. Nur auf Monitoren zwar, aber doch wie ein Leuchtfeuer. Vor euch steht der Heiland, der Holland vor der Islamisierung retten und nebenbei dafür sorgen wird, dass ihr mit 65 und nicht erst zwei Jahre apspäter in die Rente dürft.


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Wahlkampf in Almere. Jener Stadt, die nur eine halbe Autostunde und doch eine ganze Welt vom liberalen Amsterdam entfernt liegt. Leser der linken Tageszeitung "de Volkskrant" kürten Almere zur "hässlichsten Stadt der Niederlande". Wilders findet die Ansammlung von Neubauten hingegen "prächtig". "Es ist herrlich bei euch!" Wie es aussieht, könnte heute, Mittwoch, fast ein Drittel der Almerer dem Rechtspopulisten einen überragenden - für manche freilich beunruhigenden - Wahlsieg liefern.

"Schluss mit der Masseneinwanderung von Muslimen", ruft Wilders seinen Anhängern im Sportzentrum der Stadt zu. Größtenteils ältere Herrschaften, weiß natürlich, Arbeiter und Arbeitslose, Angestellte, Gewerbetreibende, untere Mittelschicht. Bei ihnen kommt Wilders glänzend an, wenn er der "Noch-Regierung" im Haag vorwirft, sie sorge dafür, "dass wir bald an jeder Straßenecke ein Minarett haben - und gegenüber die Ausgabestelle der Sozialhilfe".

Freiheitspartei tritt nur in zwei Städten an

Dann steigert er sich: "Wir sind für rückhaltloses Durchgreifen gegen marokkanische Straßenterroristen". Sein Rezept: "Unruhestifter müssen zwangsumgesiedelt werden in Wohncontainer am Stadtrand." Mit Zaun und Kameraüberwachung. Die Polizei, sekundiert Wilders’ Spitzenkandidat für Almere, Raymond de Roon, müsse "solchen Hooligans gezielt in die Knie schießen" dürfen.

Gewählt werden in den Niederlanden zwar nur Gemeinderäte, doch nie zuvor hatten Kommunalwahlen für die nationale Politik im Nordsee-Königreich eine so große Bedeutung. Sie sind der Testlauf für Wilders’ Partei für die Freiheit (PVV) auf dem Weg zur Regierungsmacht.

Sie zeichnet sich durch Immigrantenfeindlichkeit, insbesondere gegenüber Muslimen, aus. Derzeit hat die auf Wilders zentrierte Partei nicht einmal genügend Köpfe, um in mehr als zwei Städten - Almere und Den Haag - Kandidaten für die Gemeinderäte aufstellen zu können. Und doch könnte es dem Oranje-Königreich widerfahren, dass Wilders bei den Parlamentswahlen am 9. Juni an die Macht gelangt.

Nach dem Zusammenbruch der christlich-sozialen Regierung über den Streit um den niederländischen Militäreinsatz in Afghanistan Ende Februar stehen die Chancen des großen Blonden mit dem Bubengesicht besser denn je. Bei der Parlamentswahl wird ein deutlicher Rechtsruck erwartet - mit der PVV als stärkster Partei.

Umfragen: Wilders siegt bei Parlamentswahlen

26 der 150 Parlamentssitze könnte sie laut Umfragen gewinnen. Derzeit hat sie neun Mandate. Die Christdemokraten, die jetzt die Interimsregierung stellen, kämen auf 25 Abgeordnete, die marktliberale Oppositionspartei VVD auf 23. Wilders träumt von der Führung einer Rechtskoalition. Und Almere, das ungeachtet eines hohen Anteils von Menschen aus Marokko, der Türkei, Surinam und den Niederländischen Antillen eher eine ordentliche gutbürgerliche Stadt ist, soll dafür beispielgebend sein.

Auf einen Streich ließe sich das "neue Holland" nicht schaffen, mahnt Versicherungsfachmann Wilders. Aber eine Forderung für Koalitionen nach den Gemeinderatswahlen sei "unverhandelbar": "Ein Verbot von Kopftüchern in Behörden und allen Einrichtungen, die auch nur einen Cent an staatlichen Subventionen empfangen."

Die etablierten Parteien - abgesehen von den Linken - überlegen bereits, wie sich notfalls mit Wilders Koalitionen formen ließen. Der Notfall dürfte am 9. Juni eintreten.