Zum Hauptinhalt springen

Niki Laudas kühle Show

Von Hermann Schlösser

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Der Star bei "Beckmann" (ZDF) am Montagabend war eindeutig Niki Lauda. Wohl plauderten auch Heide und Udo Simonis sehr sympathisch über ihr Zusammenleben als Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein und als Professor der Ökonomie, und zum Schluss hatte die Schauspielerin Eva Pflug einen temperamentvollen Auftritt.

Dazwischen aber beherrschte Niki Lauda das Feld. Mit routiniertem Witz erzählte er, wie er seinerzeit das Maturazeugnis fälschte, um endlich das verhasste Gymnasium hinter sich zu bringen und Auto fahren zu können. Auch die Versuche des Großvaters, seine Rennfahrerkarriere zu verhindern, schilderte Lauda mit sicher platzierten Pointen.

Als dann die Rede auf seinen schweren Unfall im Jahr 1976 kam, drosselte Lauda den Witz ein wenig, blieb aber durchaus gelassen. Das heißt: Er beherrscht die Regeln der wirkungsvollen Selbstdarstellung sehr gut. Er ist witzig, wenn es am Platz ist und nachdenklich, wenn es sein muss. Nur das gefühlvolle Register lehnt er ab. Talkmaster Beckmann gab sich zwar einige Mühe - doch Emotionen waren Lauda nicht zu entlocken. "Das ist leider ein Teil meiner Arbeit gewesen", sagte er, als Fotos von seinem rauchenden Autowrack gezeigt wurden, und auch sonst gab er zu verstehen, dass er das Unfalltrauma bewältigt hat. Dass er damit die ganze Wahrheit über sich und sein Leben gesagt hätte, braucht man nicht anzunehmen. Da aber viele Talkshow-Auftritte zur Sentimentalität neigten, wirkte Niki Laudas kühle Show durchaus erfrischend.