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Mit einigem Recht weisen kirchliche Insider immer wieder darauf hin, dass die Diözese Linz in Österreich einen Sonderfall darstellt. Nirgendwo sonst im Land sind sowohl der extrem konservative als auch der übermäßig progressive Flügel der römisch-katholischen Kirche so stark ausgeprägt wie im Land ob der Enns. Ob es um die Ernennung Gerhard Maria Wagners zum Weihbischof, um die Haltung des Pfarrers Josef Friedl zum Zölibat oder zuletzt um die Abberufung des bischöflichen Sprechers Ferdinand Kaineder ging, sofort war Feuer am Kirchendach, reichte das Medienecho weit über das Bundesland hinaus.
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Wenige wissen noch, wie sehr die Diözese schon Anfang der Achtziger Jahre gespalten war. Damals verhinderte der rechte Kirchenrand den Aufstieg des damaligen Weihbischofs - dieser hieß zufällig auch Wagner, Alois Wagner - zum Diözesanbischof. Denn diese Kreise wünschten sich Kurt Krenn als Bischof, der aber erst 1991, nach vier Jahren als Weihbischof in Wien, in St. Pölten Oberhirte einer Diözese wurde.
Es heißt, der damalige Nuntius Mario Cagna habe auf der Suche nach einem Kompromisskandidaten den damaligen Abt des steirischen Benediktinerstiftes St. Lambrecht, Maximilian Aichern, nur mit größter Mühe überreden können, das Bischofsamt in Linz anzutreten. Seit damals und erst recht seit 2005, als Ludwig Schwarz Aichern als Bischof folgte, ist dieses Amt alles andere als leichter geworden.
Da agieren auf der einen Seite die Zeitung "Der 13.", der "Linzer Priesterkreis", der Pressedienst "kath.net" und andere Grüppchen noch päpstlicher als der Papst. Auf der anderen drängen - auch wegen des Priestermangels, der sich aufgrund geringer Reformbereitschaft in Rom noch zuspitzen wird - immer mehr engagierte Laien in Funktionen, die bisher nur geweihten Männern vorbehalten waren, und auf einen von Rom unabhängigen Kurs. Ein Extrembeispiel ist jene seit ihrer unerlaubten Weihe exkommunizierte Priesterin, die sich jüngst selbst die von Bischof Schwarz verweigerte Kommunion nahm.
Bei derart verhärteten Fronten verhallen Appelle zur Vernunft oder zu christlicher Versöhnung meist ungehört. Im Fall Kaineder würde die Vernunft sagen, dass jedem Chef das Recht zusteht, sich seine persönlichen Vertrauensleute - dazu gehört ein Pressesprecher - selbst auszusuchen (ohne Zurufe aus der Diözese, aber auch ohne zurufe aus Rom). Ob der Papst alle Bischöfe selbst aussuchen muss, steht auf einem anderen Blatt. Da Kaineder laut Aussage des Bischofs andere Aufgaben in der Kirche angeboten wurden, kam auch die christliche Nächstenliebe nicht zu kurz.
Das Problem der Diözese Linz: Ihr fehlt die breite Mitte. Wer sich nicht klar mit einem der beiden Lager identifiziert, wird von beiden schief angeschaut. Mit Vernunft und Nächstenliebe haben die Kampfhähne rechts und links anscheinend wenig am Hut.
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