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Nischen-Dimensionen

Von David Axmann

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"Marktführer" und "Marktlage" stehen im Wörterbuch vor "Marktnische", und das geht nicht nur hinsichtlich der alphabetischen Reihenfolge in Ordnung. Wer in der Lage ist, eine führende Position zu erlangen bzw. zu behalten, indem er die Grundgesetze des Marktes optimal ausnützt, steht zu Recht an der Spitze. Wer jedoch lieber dem Lebensprinzip "small is beautiful" folgt, muss sich mit einem Nischenplatz begnügen. Eine solche Marktordnung herrscht bekanntlich auch im Medienbereich, und dies führt zum Beispiel zu der Ö1-Sendereihe "Dimensionen". Sie befindet sich in einer geradezu perfekten Nischenlage, nämlich im Sendezeitraum Montag bis Freitag von 19.05 bis 19.30 Uhr. Die Gefahr, dass die Mehrzahl der Medienkonsumenten zu dieser Zeit die TV-Nachrichten bevorzugen, ist naturgemäß groß. Nicht minder groß ist aber die Chance, in den "Dimensionen" mit einem wichtigen Thema bekannt gemacht zu werden, worüber man anderswo gar nicht oder jedenfalls nicht so gründlich informiert wird.

Am Montagabend zum Beispiel ging es um das "Recht auf Bildung für minderjährige Flüchtlinge und Migranten". Sowohl die Caritas als auch der Verein Omega in Graz bemühen sich, solchen Kindern Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen, wobei es vor allem wichtig ist, den oft traumatisierten Buben und Mädchen auch therapeutisch zu helfen. Die Dimensionen dieser Hilfeleistung sind allerdings naturgemäß nicht sehr weit gesteckt; denn bekanntlich nimmt die Flüchtlingsbetreuung in unserem Sozialsystem auch bloß einen Nischenplatz ein.