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"Njet" muss nicht "Nein" bedeuten

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Russland, Italien, USA, Deutschland, Österreich - die Liste der Länder, in denen Irina D'Amico-Janisch bisher gelebt hat, deutet bereits auf ein bewegtes Leben hin. Nun hat die gebürtige Russin ihren Posten als Geschäftsführerin der österreichischen Niederlassung des IT-Lösungsspezialisten S&T angetreten.


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n "Meine Arbeit macht mir Spaß, und Spaß macht es dann, wenn man erfolgreich ist." n

Sie sieht aus wie eine Schwedin, hat einen russischen Vornamen, einen italienischen Nachnamen, einen deutschen Pass und arbeitet praktisch in ganz Zentral-, Ost- und Südosteuropa. - Für D'Amico-Janisch trifft die Bezeichnung Kosmopolitin voll und ganz zu. In perfektem Deutsch schildert die frisch gebackene Geschäftsführerin von S&T Österreich der "Wiener Zeitung" ihren Lebensweg:

D'Amico-Janisch wurde im heutigen Estland geboren, ist in Lettland aufgewachsen und hat im Alter von 20 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter die ehemalige Sowietunion verlassen. Nach Italien und Kalifornien lebte sie in Deutschland, wo sie ihr Betriebswirtschaftsstudium abschloss. "Eigentlich habe ich mich besonders für Rechnungswesen interessiert, bin aber bei einer Computerfirma im Vertrieb gelandet", beschreibt D'Amico-Janisch ihren beruflichen Werdegang, der sie bald auch mit S&T System Integration & Technology Distribution AG in Kontakt brachte: "S&T war ein Partner meines damaligen Arbeitgebers - der US-Hersteller Informix, dessen Business inzwischen von IBM übernommen wurde". Vor sieben Jahren wechselte sie schließlich zu S&T. Das börsenotierte österreichische Unternehmen war auf der Suche nach Spezialisten für den osteuropäischen Markt. Wirtschaftliche Kenntnisse, Affinität zur Informationstechnologie, Ostsprachen und Zugang zur russischen Mentalität - damit brachte D'Amico-Janisch genau die richtigen Qualifikationen für die Betreuung der Märkte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowietunion mit.

Sprache und Mentalität

"Dass ich die Mentalität der Leute verstehe, hat mir dabei sehr geholfen", erklärt D'Amico-Janisch. Denn selbst, wenn man die selbe Sprache spreche, heiße das noch lange nicht, dass man auch das selbe meine, wenn es nicht die Muttersprache sei. So sei etwa ein russisches "Njet" nicht unbedingt mit einem deutschen "Nein" gleichzusetzen.

Inzwischen bietet das 1993 gegründete Unternehmen S&T seine IT-Lösungen in 20 Ländern Zentral- Ost- und Südosteuropas an. Die Zentrale der Gruppe befindet sich in Österreich. Das Unternehmen entwickelt maßgeschneiderte kundenspezifische Lösungen auf Basis von Technologien der weltweit führenden Hardware- und Software-Hersteller, wie z.B. Cisco, IBM, Oracle oder SAP und erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit 1.200 Mitarbeitern einen Umsatz von 204 Mio. Euro.

Gesättigter Österreich-Markt

Nach den Erfolgen in Osteuropa, wo viele Unternehmen betreut werden, die ihr Headquarter in Österreich oder einem der Nachbarländer haben, hat S&T im Herbst vergangenen Jahres die Österreich-Tochter gegründet. Die Geschäftsführung obliegt nun D'Amico-Janisch. Zu einem der neuen Österreich-Kunden zählt Zielpunkt, der von S&T mit einem speziellen System zum Speichern und Sichern von Daten ausgestattet wird. Der Markt in Österreich sei schwierig, weil gesättigt, erklärt die neue Geschäftführerin. Das Unternehmen setzt daher auf mehrere Strategien: Einerseits wolle man österreichische und internationale Kunden, die das Unternehmen bereits in Osteuropa betreut, auch für das Österreich-Geschäft akquirieren, andererseits kann man sich bei S&T sehr gut vorstellen, einen geeigneten österreichischen IT-Dienstleister zu übernehmen und mit ihm dessen Kundenstock und Know-how. Neben dem Kerngeschäft Datensicherheit und Datenmanagement für Industrie und Handel setzt S&T Österreich verstärkt auf das Angebot von IT-Know-how für Transport und Logistik sowie Industrie.

Als "Karriere-Frau" würde D'Amico-Janisch sich selbst nicht bezeichnen. "Meine Arbeit macht mir Spaß und Spaß macht es dann, wenn man erfolgreich ist", lautet ihr Statement dazu.