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Schon "Wir sind Helden" hatten eine tief sitzende Aversion gegen Denkmäler. "Ich werd die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagieren/Die sollen nachts noch die Trümmer mit Parolen beschmieren", sang die kritische deutsche Pop-Rock-Gruppe um die Sängerin Judith Holofernes. Nun wurde der Protestsong zumindest ansatzweise Realität - und das ausgerechnet am Wiener Funkhaus des ORF. Besser gesagt einem überdimensionalen Ohr, das vor dem Gebäude steht. Weil ihr das bunte Ding nicht gefiel, griff eine Frau am Sonntagabend zum Farbeimer. Die 45-Jährige schüttete erst grünen Lack über das Ohr und versprühte dann noch Klarsichtlack, damit die Farbe "schwerer runtergeht", erklärte die Frau gegenüber der Polizei, nachdem sie zuvor erfolglos versucht hatte, die Skulptur des Gugginger Künstlers Johann Garber zu zerschneiden. Als sie im Anschluss auch noch Farbe auf das Pult des Sicherheitsdienstes im Eingangsbereich des Funkhauses schüttete, war Schluss: Festnahme und Anzeige wegen Sachbeschädigung.
Was genau der Dame an dem Drei-Meter-Organ und seinem Standort nicht gefiel, ist nicht bekannt. Bekannt ist freilich, dass das Haus, vollendet 1939, als Standort der Wiener ORF-Radios in den kommenden Jahren ausgedient hat. Die Radios ziehen auf den Küniglberg, das Funkhaus wird verkauft. Diese Konsolidierungsmaßnahme hat intern zu Protesten geführt, denen sich auch Kulturschaffende angeschlossen haben. Ob das Ohr nun noch einmal restauriert wird, ist nicht bekannt. Das Funkhaus ist freilich um eine durchaus kuriose Geschichte reicher.

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