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"Nord und Süd zu Partner machen"

Von Walter Hämmerle

Politik
Wahu Kaara Foto: ösfo

"WZ"-Interview mit Entwicklungsaktivistin Wahu Kaara. | Werben für Globalen Marshall Plan. | "Wiener Zeitung": Sie sind gelernte Historikerin. Wie fällt Ihre Bilanz der Jahrzehnte afrikanischer Unabhängigkeit aus?


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Wahu Kaara: Die letzten Jahrzehnte waren eine unglaubliche Zeitverschwendung, weil die Versprechungen, die den Menschen gemacht wurden, nicht eingehalten wurden. Stattdessen haben wir eine gierige Herrscher-Elite geschaffen.

Wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Weil unsere Regierungen dazu verführt wurden, lieber den Interessen des Marktes als denen ihrer Bevölkerungen zu dienen.

Der Globale Marshall Plan setzt auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, in der beide Seiten bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Für den Norden sehen diese u.a. die Erhöhung der Entwicklungshilfe vor - ist mehr Geld das, was der Süden am dringendsten braucht?

Bei diesem Plan geht es darum, die Vormundschaft des Norden über den Süden in eine Partnerschaft umzuwandeln. Es muss endlich zu gleichen ökonomischen Bedingungen kommen, damit Wohlstand für alle Bürger geschaffen werden kann. Und dazu braucht es auch mehr Geld.

Wie soll der Westen mit verbrecherischen Regierungen wie im Sudan umgehen?

Der Westen sollte zuerst aufhören, sich in die Interessen des Sudans einzumischen. Es geht hier um Öl.

Und die ethnischen Konflikte?

Niemand wird mit ethnischen Konflikten geboren, diese sind vielmehr die Folge ungleicher Lebenschancen. Eine Lösung gibt es nur, wenn die internationalen Rahmenbedingungen geändert werden.

Kaara, geb. in Kenia 1952, lancierte mit den brasi. Präsidenten da Silva 2005 den "Global Call for Action against Poverty".