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Nordkorea will wieder Raketentests durchführen

Von Ines Scholz

Politik

Nordkorea hat in der Nacht auf Donnerstag verkündet, dass es sich nicht länger an sein Raketentest-Moratorium von 1999 gebunden fühlt, und drohte mit dem Test einer Langstreckenrakete. Die Erklärung ist eine neuerliche Brüskierung der USA. Vor drei Wochen hatte die Führung in Pjöngjang bereits deklariert, im Besitz von Atomwaffen zu sein.


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Grund für das jüngste Zerwürfnis zwischen Washington und dem kommunistischen Land ist eine Bemerkung von US-Außenministerin Condoleezza Rice, die Nordkorea kürzlich als "Vorposten der Tyrannei" bezeichnet hatte. Das Außenministerium in Pjöngjang verlangt eine Entschuldigung und kündigte den 1999 selbst auferlegte Rakatenteststopp auf. "Wir sind in der Raketenfrage weder an ein internationales Abkommen, noch an irgendetwas anderes gebunden", hieß es in der gestern veröffentlichten Erklärung. Der letzte Test war 1998 durchgeführt worden. Das Mehrstufenmodell mit einer Reichweite von 2.500 Kilometer war nahe der japanischen Küste in den Pazifik eingeschlagen. Nach internationalen Protesten hatte sich das Land schließlich dazu bereit erklärt, auf derartige Versuche künftig zu verzichten.

Die USA befürchten nun, dass Nordkorea auch die Entwicklung der Interkontinentalversion der "Taepodong"-Rakete forcieren wird. Diese kann nach Geheimdienstermutungen eine atomare Sprengladung tragen und den Westen der USA erreichen. Die IAEO zeigte sich besorgt. In einer Erklärung bezeichnete sie die jüngsten Drohungen als "ernste Herausforderung für Frieden und Stabilität in Nordostasien".

Vor dem Hintergrund der neu aufgeflammten Spannungen mit Washington ist auch die Rückkehr Nordkoreas zu den Sechser-Gesprächen mehr als fraglich. Derzeit laufen zwar intensive Konsultationen aller Teilnehmer unter chinesischer Vermittlung, Pjöngjang macht den Erfolg jedoch davon abhängig, dass Washington seine "feindselige Politik mit dem Ziel eines Systemwechsels" aufgibt und mit einer Entschuldigung die Voraussetzungen für neue Verhandlungen schafft. Doch davon ist nicht auszugehen. Der Rückzug aus dem Dialog über ein Ende seines Nuklearwaffenprogramms mit den USA, Russland, Japan, Südkorea und China war Anfang Februar gleichzeitig mit Nordkoreas Deklaration zur achten Atommacht der Welt erfolgt.