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Notizen über den Nil

Von Edwin Baumgartner

Wissen

Die neue Ausstellung des Papyrusmuseums befasst sich mit antikem Wasserrecht.


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"Lass mich nicht schifflos sein", heißt es im Totenbuch des Sesostris, und ein anderer Papyrus überliefert einen "Spruch, um die Fähre im Totenreich zu holen": Der Nil - Lebensader Ägyptens und zugleich Fluss, der das Reich der Lebenden vom Reich der Toten trennt, verehrt auch als Gottheit. Die neue Ausstellung des Papyrusmuseums ist nicht nur für Ägypten-Fans sehenswert. Die Objekte reichen zurück bis ins zweite Jahrhundert vor Christus. Die meisten stammen aus der Spätantike. Mehr als 2.000 Jahre Alltagsgeschichte, überliefert dank des Papiers bzw. seines Vorläufers: Ob rein elektronischen Medien geeignet sind, solche Einblicke für mehrere hundert Generationen zu tradieren?

Die Überschwemmungen machten Ägypten zur Kornkammer für Rom und Byzanz. Es ist ein kluger Schachzug, sie mit historischen Fotos begreifbar zu machen. In der Gegenwart finden sie nicht mehr statt, da seit 1970 der Assuan-Staudamm die Pegelstände reguliert.

Große Nil-Poesie? - Fehlanzeige. Aufgeschrieben wurden Alltagsnotwendigkeiten: Wasserstände, Notizen über Bewässerung, die Miete eines Schöpfrads, die Pacht eines Wasserhebewerks, Zahlungen in Zusammenhang mit öffentlichen Bädern, Lebensmittellisten inklusive Fische aus dem Nil, Bestätigungen, dass die verpflichtenden Arbeiten bei der Schlammräumung abgeleistet wurden.

Damit bietet die Ausstellung einen großartigen Einblick in das Leben im Ägypten der Antike - fernab von allen Mythen und auch weit weg von den Herrschergeschichten.

Der Katalog zur Ausstellung enthält Bilder und Kommentare zu sämtlichen Objekte sowie fabelhafte Artikel zum Thema Wasser im Ägypten der Antike. Viel Zeit nehmen - diese Ausstellung absolviert man nicht nebenbei.

Ausstellung

Ein Geschenk des Nils - Die Macht des Wassers im Alten Ägypten

Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek

Bis 5. Mai 2024