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Nur die Dicken regen sich nicht auf

Von Christina Böck

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Christina Böck ist "Feuilleton"-Ressortleiterin.
© Wiener Zeitung / Thomas Seifert

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Scarlett Johansson hat kein glückliches Rollenhändchen. Zumindest, wenn man der schnell beleidigten Internetöffentlichkeit glaubt. Sie hat nämlich in einem Biografiefilm die Rolle von Dante "Tex" Gill übernommen. Das war nicht nur eine schillernde Figur der US-Unterwelt in den 1970ern, sondern auch ein Trans-Mann. Letzteres erregt politisch korrekte Gemüter. In Texten mit sehr vielen Gender-Sternchen wird vorwurfsvoll gefragt, warum diese Rolle nicht ein Trans-Mensch spielen hätte können. Johansson meint dazu, man solle doch zu dem Thema bei Jeffrey Tambor, Jared Leto oder Felicity Huffman nachfragen. Zur Aufklärung: Alle drei spielten Transgender-Menschen, alle wurden bejubelt und ausgezeichnet.

Die genervte Reaktion mag auch daher rühren, dass es nicht das erste Mal ist, dass Scarlett Johansson solchen Belehrungen ausgesetzt ist. Schon bei der Verfilmung des Animes "Ghost in the Shell" wurde ihr angekreidet, dass sie die Rolle doch einer Asiatin hätte überlassen sollen. Dass es durchaus eine Eigenheit von Animes ist, dass Figuren gar nicht "asiatisch" aussehen, wie bei "Ghost in the Shell" auch, focht die Kritiker nicht an.

Natürlich hätte man für den Film über Dante "Tex" Gill eine Trans-Person engagieren können. Aber eine im Berühmtheitsranking deutlich abgeschlagenere als Johansson. Das Thema selbst wird mit ihrem Namen sicher mehr Aufmerksamkeit gewinnen. Übrigens ist Johansson auch viel schlanker als der untersetzte Gill. Das kümmert wieder niemanden.