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Nur die Grünen zeigen Mitleid mit den Wählern

Von Walter Hämmerle

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Die Innenpolitik verspricht derzeit wenig Erbauung. Die Grünen glänzen immerhin durch Abwesenheit.


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Viele Wege führen zum Ziel, im Leben wie in der Politik. So verheddern sich derzeit SPÖ und ÖVP im Streit über die Errichtung eines Asyl-Erstaufnahmezentrums - und glauben, damit Wählerstimmen keilen zu können. FPÖ und BZÖ kontern dem Regierungsdramolett mit einer gekonnten Inszenierung ihres innerparteilichen Seelenzustands.

Das Spektakel erfolgt sehr zur Freude aller Medien, die atemlos über die jeweils jüngste Volte der Akteure berichten. Ein Beitrag zur Befreiung der Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit könnte auch anders ausschauen, den betroffenen Parteien sichert es aber wenigstens öffentliche Präsenz. Die gilt bekanntlich im heimischen Politikbetrieb als höchstes Gut.

Nur eine Partei versucht auf anderen Wegen um die Gunst der Bürger zu buhlen: Die Grünen sind nämlich auf die originelle Idee verfallen, sich eine Auszeit von der heimischen Innenpolitik zu gönnen.

Parteichefin Eva Glawischnig hat dafür ein gutes Argument, wurde sie doch erst im Juli zum zweiten Mal Mutter. Rätselhafter ist da schon der Verbleib von Peter Pilz seit dem von SPÖ und ÖVP durchgedrückten Aus für den Spitzel-U-Ausschuss. Offensichtlich benötigt auch der selbst ernannte Aufdecker der Nation einmal eine Schaffenspause.

Was Ex-Bundessprecher Alexander Van der Bellen angeht, so hatte man als Journalist schon zu dessen Amtszeiten den Eindruck, der Drang zur medialen Dauerpräsenz ging ihm damals schon auf die Nerven. Als Außenpolitischer Sprecher der Grünen kann er dieser Neigung nun kritiklos frönen. (Die diesbezüglichen Parallelen zu Wolfgang Schüssel, einst Kanzler, jetzt ebenfalls Außenpolitischer Sprecher mit bescheidenem Aussendungs-Output, sind frappierend.)

Die weitgehend stabilen Umfragen geben den Grünen in ihrer Bin-nicht-da-Strategie bis dato noch recht. Trotz oder vielleicht sogar gerade wegen ihrer seit Wochen andauernden medialen Absenz. SPÖ und ÖVP jedenfalls schadet der öffentlich ausgetragene Dauerstreit. Die einzige Partei, bei der es egal scheint, was über sie gesagt und geschrieben wird, solange nur über sie geredet und geschrieben wird, sind die Freiheitlichen.

Ganz ohne Risiko ist aber auch die Strategie der Grünen nicht: Bei den letzten Urnengängen waren die Wahlergebnisse oft nur bescheiden, blieb die Partei nur allzuoft unter ihren eigenen Erwartungen. Im Burgenland geht es für die Ökopartei noch um Peanuts, doch spätestens Wien wird im Herbst zu einem ersten Härtetest, ob die Grünen unter Glawischnig auch Wahlen gewinnen können.

Das wird auch dringend notwendig sein, will sich die Partei nicht dauerhaft aus dem Rennen um politische Mehrheiten in Österreich verabschieden.