)
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Müssen zeitgenössische Kompositionen nerven? Müssen sie kratzen, krächzen, sirren, bis sich der letzte Normalsterbliche im Spezialistenkonzert nach Hause wünscht? Müssen sie nicht, wie derzeit wieder beim Festival Wien Modern (bis 25. November) festzustellen. Wobei: Verhehlen sollte man es natürlich nicht, dass der Bruch mit wohligen Hörgewohnheiten nicht nur spannende Konzerterlebnisse zeitigen kann, sondern auch anstrengende. Und: Nicht alles, was neu ist, muss gut sein. Kritik tut not.
Nun ist Kritik natürlich nicht für jeden eine feine Sache. Zumal für Opernhäuser. Wer kommt am nächsten Abend, wenn die Premiere floppt? Die billigste Lösung: Man setze nur noch harmlose Novitäten an, am besten aus den USA, wo die Subventionen so gering sind, dass sich Bühnenkomponisten nicht so recht über den Schatten der Tonalität trauen.
So geschieht es nun auch seit längerem im Theater an der Wien. Bei allem Respekt für die klassischen Opernproduktionen des Hauses: Was man dem Publikum da unter dem zeitgenössischen Etikette verkaufte, waren die musicalhaften Ergüsse von Jake Heggies "Dead Man Walking", gefolgt von Daniel Catáns Puccini-Imitat "Il Postino", das seine süffige Fortsetzung nun im "Gogol" der Wahl-New-Yorkerin Lera Auerbach findet. Dass ein Opernhaus Erfolg will, ist keine Schande. Dass es kein Risiko eingeht, aber schon. Gerade im Fall des Theaters an der Wien, das aufgrund seines Stagione-Betriebs stets nur wenige Vorstellungen füllen muss - und von dessen Subventionen ein US-Haus allenfalls träumen kann. Risiko tut not. Und wäre verkraftbar.
)
)
)