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Immer mehr Coaches - eine fundierte Ausbildung scheint angebracht.
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Wien. An einem Sonntagnachmittag im Dezember, die Wintersonne strahlt durch die Fenster, haben sich 200 festlich gekleidete Gäste im Schloss Miller-Aichholz im 14. Wiener Gemeindebezirk eingefunden, um die Sponsion ihrer Liebsten zu feiern. Stolz nehmen 19 Frauen und Männer ihre Urkunden zum Master of Sciences (MSc) für Coaching und Mediation, respektive Coaching und Personalentwicklung entgegen. Sie sind nun akademisch befähigt, eigenständig prozessorientierte Beratungen durchzuführen. Die Urkunden sind durch das Österreichische Trainingszentrum für Neuro-Linguistisches Programmieren (ÖTZ-NLP) ausgestellt.
Die Freude der Absolventen und Absolventinnen, die es geschafft haben, überstrahlt an diesem Sonntag die Ebenen der Realität. Denn das Arbeitsfeld, das sie anvisieren, ist umkämpft. Zur Berufsgruppe der "Coaches" zählen in Österreich rund 7500 Psychotherapeuten, 3000 klinische und Gesundheitspsychologen, 3000 Lebensberater und 12.000 Unternehmensberater (wobei Letztere nicht im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und psychologische Beratung tätig sein dürfen).
"Es gibt zahlreiche Definitionen von Coaching. Die Berufsbezeichnung ist im deutschsprachigen Raum nicht geschützt", schreibt die Unternehmensberaterin Mariam Amir-Ahmadi, nun MSc-Absolventin, in ihrer Diplomarbeit zum Thema Projektleiter-Coaching: "Somit ist es einfach und ohne großen Aufwand möglich, sich ,Coach‘ zu nennen und in Zusammenhang mit einer Spezialisierung einen Begriff zu entwickeln, wie etwa Karrierecoach, Bewerbungscoach, Lerncoach, Executive Coach, Projektcoach, Liebescoach, Schminkcoach. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt."
Wissen und Praxis vereinen
Entsprechend reichen die Themen der MSc-Arbeiten von Mitarbeiterzufriedenheit über persönliche Veränderung, Auswirkungen von Gedanken und Gefühlen auf den Körper sowie Fertigkeiten, die für das Erlernen von Fremdsprachen benötigt werden, bis hin zu geschlechterspezifischem Konfliktverhalten und Exit-Management bei der Kündigung von Führungskräften. Bei einem derart breiten Feld scheint es nur angebracht, durch eine fundierte Ausbildung hervorzustechen.
"Ein Magister in Publizistik bringt einem vielleicht keinen Job bei einer Zeitung. Wer aber bereits einen Job hat, kann seine Aufstiegschancen durch ein Zusatz-Studium erhöhen", sagt Peter Schütz, Gründer des ÖTZ, das älteste NLP-Institut Österreichs. Er fügt hinzu: "Ein Diplomingenieur in Technischer Chemie muss keine Koryphäe sein, denn er ist auf dem Markt gesucht. In der prozessorientierten Beratung hingegen gilt: Wenn du gut bist, ist es leicht, wenn nicht, ist es schwer."
Künftig könnte es noch schwieriger werden, zu reüssieren. Seit 1990 gab es für private Bildungseinrichtungen die Möglichkeit, Lehrgänge mit einem akademischen Titel anzubieten. Mit dem Abschluss von "Lehrgängen universitären Charakters" (LUCs) konnten akademische Expertentitel und Mastertitel, die als akademische Grade gelten, erworben werden. Ab 2013 wird die Vergabe akademischer Grade jedoch wieder exklusiv den Hochschulen überlassen. Offenbar erlebten sie externe Masterkurse als Konkurrenz. Wollen Privatinstitute die LUCs künftig dennoch anbieten, müssen sie sie an eine Hochschule angliedern - und mehr als ein Drittel der Kursgebühren an diese abliefern.
"Natürlich kann man sich auch nur als Mediator und Coach ausbilden lassen. Der Master kombiniert allerdings eine staatliche Berufsberechtigung mit akademischem Wissen", sagt Schütz. Um das Studium weiterhin führen zu können, visiert er nun eine Kooperation mit einer EU-Universität an.
Denn auch der ÖTZ-Gründer sieht sich in dichter Konkurrenz. Allein in Österreich gibt es 34 NLP-Anbieter. Richard Bandler und John Grinder, die die Methode als "das Studium der Struktur subjektiver Erfahrung" definieren, haben daraus eine Trainingsmethode mit dem Ziel der Erweiterung und konstruktiven Veränderung menschlichen Erlebens entwickelt, die zielorientiertes Denken und Handeln lern- und lehrbar machen soll. Doch die Methode ist eine von vielen zur Persönlichkeitsentwicklung. Und der Markt expandiert immer noch.

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