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ÖBAG prüft heimische Gasversorgung

Von Marina Delcheva

Wirtschaft

Ziel ist komplette Diversifikation der Bezugsquellen. Finanzminister Brunner: "Es gibt hier keine Denkverbote."


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Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) hat die Beteiligungsgesellschaft der Republik, die ÖBAG, mit einer umfassenden Prüfung zur künftigen Gasversorgungssicherheit in Österreich beauftragt. Das sagte er am Donnerstag im Rahmen des Kongresses von "Österreichs Energiewirtschaft" in Wien. "Der Ukraine-Krieg hat gezeigt, wie abhängig wir von russischem Gas sind", sagte Brunner.

Ziel der Prüfung sei die Gewährleistung der Versorgungssicherheit in Österreich und eine Diversifikation der Gasbezugsquellen. "Es gibt keine Denkverbote", beteuerte Brunner auf Nachfrage im Rahmen der Diskussion mit dem Präsidenten der E-Wirtschaft und Verbund-Chef, Michael Strugl.

"Komplette Diversifikation von russischem Gas"

"Aufgabe der ÖBAG ist es, zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich beizutragen. Ziel dieses Projektes ist die langfristige Sicherstellung der Energieversorgung Österreichs zu garantieren", heißt es vonseiten der ÖBAG auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" dazu. Wie das genau passieren soll, ist noch ergebnisoffen. Aber es könnte zu grundlegenden Umbrüchen in der heimischen Energieversorgung kommen.

Unter anderem ist eine "Analyse des vorhandenen Portfolios der Republik im Hinblick auf die Gasversorgung" und eine "Analyse des Portfolios der ÖBAG-Beteiligungen" vorgesehen, heißt es aus dem Finanzministerium auf Nachfrage. "Österreich wird mittelfristig immer noch Gas brauchen. Russland ist dafür kein verlässlicher Partner mehr - und wir wollen die Kriegsmaschinerie Putins weiter schwächen. Für den kommenden Winter haben wir eine entsprechende Krisenvorsorge getroffen, um die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf Haushalte und Wirtschaft bestmöglich abzufedern. Gleichzeitig analysieren wir, wie wir uns für die Zukunft bestmöglich aufstellen können und ob es sinnvolle Schrauben gibt, an denen wir drehen können", so der Finanzminister.

Welche Schrauben das sind, und ob es konkret um den bestehenden Gasliefervertrag mit der Gazprom geht - er läuft noch bis 2040 -, will man bei den betroffenen Stellen nicht kommentieren. Hinter vorgehaltener Hand heißt es vonseiten einer mit der Prüfung betrauten Quelle: "Die Überlegung umfasst eine komplette Diversifikation der Gasversorgung von russischem Gas."

Gaslieferungen ausRussland zurückgegangen

Derzeit ist die russische Gazprom, deren Vertragspartnerin die teilstaatliche OMV ist, Österreichs gewichtigster Gaslieferant. Seit dem Sommer wurden die Gaslieferungen auf russischer Seite stark gedrosselt. Derzeit wird zum Beispiel nur ein Drittel der eigentlich angefragten Liefermenge aus Russland geliefert. Die Gaslieferungen nach Deutschland über die Nordseepipeline Nord Stream 1 wurden überhaupt ganz eingestellt.

Die heimischen Speicher sind derzeit zu 74 Prozent mit Gas befüllt, was auch ungefähr 74 Prozent des gesamten Jahresverbrauchs entspricht. Ein guter Teil davon ist nach wie vor russisches Gas. Und: Es ist nicht bekannt, wie viel der eingespeicherten Menge auch tatsächlich für den heimischen Energiemarkt vorgesehen ist, weil ja auch ausländische Energieversorger Gas in Österreich einspeichern. Slowenien etwa hat keinen eigenen Gasspeicher und mietet deshalb Speicherkapazitäten in Österreich.

Insgesamt ist aber der Anteil an russischem Gas, zumindest in der EU, heuer stark gesunken; teils wegen der Gaslieferstopps aus Russland, teils weil die EU-Staaten verstärkt andere Gaslieferquellen wie etwa LNG aus Übersee anzapfen. Von 50 Prozent im Vorjahr ist der Anteil russischen Gases in der EU auf heuer 9 Prozent gesunken.

Überlegungen auchzu Fracking möglich

Unter dem Punkt "Evaluierung des max. Potentials der Gasförderung in Österreich (konventionell und unkonventionell)" könnten auch wieder die Pläne für die Gasförderung mittels Fracking im Weinviertel revitalisiert werden. Das fordert aktuell zum Beispiel die Industriellenvereinigung mit Verweis auf die Standortsicherung. Zuletzt lagen diese Bestrebungen wegen Umweltbedenken, aber auch, weil es schlicht nicht rentabel gewesen wäre, auf Eis. Der Krieg in der Ukraine und die Gasknappheit haben die Karten aber neu gemischt.

Ebenfalls im Rahmen der Evaluierung vorgesehen ist, Know-how und Learnings anderer Länder einzuholen, die Evaluierung infrastruktureller Optimierungspotenziale sowie das "Ableiten von Handlungsoptionen für die Republik als Entscheidungsgrundlage für die Bundesregierung", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums.