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Obama-Rede war "sehr ermutigend"

Von Georg Friesenbichler

Politik
Weltweit verfolgten Muslime (hier im indischen Teil Kaschmirs) die Rede von Obama im Fernsehen. Foto: ap

Lob für die Ausgewogenheit. | Khamenei: Nur "süße Reden". | Teheran/Wien. Irans oberster geistlicher Führer, Ajatollah Ali Khamenei, wusste es schon, ehe Barack Obama in Ägypten zu seiner Rede angesetzt hatte: "Die Nationen in diesem Teil der Welt hassen die USA zutiefst", sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede. "Auch wenn diese (die USA, Anm.) süße und schöne Reden vor den muslimischen Ländern halten, ändert dies nichts." Auf Worte müssten auch Taten folgen, forderte Khamenei.


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Ganz anders sahen es die Botschafter der arabischen Welt in Wien, die sich kurz nach der Obama-Rede mit Journalisten zu einem Gedankenaustausch getroffen hatten. "Sehr ermutigend" nannte der derzeitige Vorsitzende des Arabischen Botschafterrates, der Syrer Badi Khattab, die Worte, die der US-Präsident bei seinem Auftritt in der Universität von Kairo gefunden hatte. Er wies daraufhin, dass sich seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten schon etwas geändert habe, da dieser nun mit Staaten spreche, die zuvor links liegen gelassen worden sein. Für sein Land, das eine 600 Kilometer lange Grenze mit dem Irak aufweist, sei es besonders wichtig gewesen, dass Obama auch auf sein Versprechen hingewiesen hatte, bald die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen.

Nach acht Regierungsjahren von George W. Bush werde in der arabischen Welt jedes Signal positiv aufgenommen, ergänzte sein jordanischer Kollege Makram Queisi. Man wisse zwar, dass Obama über "keinen Zauberstab" verfüge, man glaube aber an die Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen. Auch der sudanesische Botschafter, Mahmoud Hassan Elamin, unterstrich, dass der US-Präsident "viele positive Dinge" gesagt habe - man müsse ihm eine Chance geben.

Auch das offizielle Israel bezeichnete Obamas Rede als "ausgewogen und positiv". Er habe vieles wiederholt, was er zuvor schon in Washington gesagt habe, hieß es. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu rief seine Regierung zu einer Sonderberatung zusammen. Nur Abgeordnete der rechts stehenden orthodoxen Partei "Jüdisches Haus" äußerten "Sorgen und Ängste": Er habe ein "ungutes Gefühl", dass die traditionellen Verpflichtungen der USA zu Israels Sicherheitsbedürfnissen, um die Existenz und Unabhängigkeit des Staates Israel zu garantieren, zerbröseln, sagte Zeev Orlov.

Uneingeschränkt positiv bewwerteten sowohl der Vertreter der Palästinenser in Wien, Zuheir Elwazer, als auch die Autonomiebehörde von Präsident Mahmoud Abbas, Nabil Abu Rudeineh, die die Palästinenser betreffenden Passagen.

Kämpfe Hamas-Fatah

Sie sahen darin einen wichtigen Schritt für einen Neuanfang. Sogar die mit der Fatah von Abbas rivalisierende Hamas sah "viele positive Punkte", man müsse aber erst abwarten, ob ein unabhängiger palästinensischer Staat daraus erwachse, sagte ein Hamas-Abgeordneter.

Im innerpalästinensischen Konflkt stehen die Zeichen allerdings wieder einmal auf Sturm: Bei einem Zusammenstoß im Westjordanland, wo Abbas regiert, sind ein Polizist der Autonomiebehörde und drei Hamas-Kämpfer, die verhfatet werden sollten, ums Leben gekommen. Bei einem ähnlichen Vorfall waren am Sonntag zwei Hamas-Anhänger, drei Polizisten und ein Zivilist ums Leben gekommen.Ein Sprecher der Hamas im Gazastreifen sagte, der Einsatz habe alle Hoffnungen auf einen Erfolg der für Juli geplanten innerpalästinensischen Versöhnungsgespräche zunichtegemacht.