Zum Hauptinhalt springen

Obamas Doppelengagement

Von David Ignatius

Kommentare
Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Die USA wollen ein Abkommen mit dem Iran und die Saudis militärisch unterstützen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 10 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

US-Präsident Barack Obama versucht seit September 2013, seit seiner Rede vor der UNO, Saudi-Arabien und andere Golfalliierte zu überzeugen, dass sich die USA wirklich um ihre Sicherheit bemühen. Bisher hat er damit nicht viel Erfolg, aber er wird es wieder versuchen, nächsten Monat beim Camp-David-Gipfeltreffen.

Obamas Versuch ist Teil einer größeren Strategie für den Nahen Osten, die man als Doppelengagement bezeichnen könnte. Die USA wollen ein Abkommen mit dem Iran, um dessen Atomprogramm zu begrenzen. Und die USA wollen die Saudis und ihre Nachbarn militärisch unterstützen. Das Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen einem weniger bedrohlichen Iran und einem zuversichtlicheren Saudi-
Arabien.

Die Initiative der USA ist ein komplizierter Twostepp, der an Michael Corleones Ausspruch in "The Godfather Part II" erinnert, dass man nahe bei seinen Freunden bleiben soll, aber noch näher bei seinen Feinden. Wenn die Saudis und ihre Nachbarn sehen, wie es sich die USA mit dem Iran gemütlich machen, müssen sie sich wundern, wer sie sind - Freund oder Feind.

Scheich Mohammed bin Zayed, der militärische Führer der Vereinigten Arabischen Emirate, traf am Montag mit Obama zusammen, um die Tagesordnung für das Camp-DavidTreffen am 13. und 14. Mai zu besprechen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollten ursprünglich ein offizielles Abkommen, um die Mitglieder des GCC (des Gulf Cooperation Council) gegen Aggressionen von außen zu schützen. Ein solcher Pakt sei wegen der Probleme mit der Ratifizierung durch den Senat "nicht realistisch", entgegnete laut einem Regierungsbeamten das Weiße Haus - und "nicht nötig". Im Weißen Haus soll mit GCC-Vertretern über eine erweiterte militärische Zusammenarbeit gesprochen werden - Ausrüstung, Ausbildung, hochentwickelte Waffensysteme und gemeinsame Militärübungen inklusive.

Das Weiße Haus hat ein Ziel für das Camp-David-Treffen, nämlich Schritte gegen interne Bedrohungen der Sicherheit am Golf durch Extremistengruppen wie den "Islamischen Staat" zu setzen, statt sich nur auf äußere Bedrohungen durch den Iran zu konzentrieren. Die US-Regierung sieht die arabische Welt in Auflösung, angesichts gescheiterter Staaten und konfessioneller Stellvertreterkriege mit dem Iran, die den Irak, Syrien und jetzt auch den Jemen verwüsten.

In einem von Grund auf instabilen Nahen Osten ist es gut, sich zwei positive Entwicklungen vor Augen zu führen. Erstens: Die USA und der Iran führen nach 36 Jahren Feindschaft produktive Gespräche. Und zweitens: Die USA lassen sich ehrlich und kreativ auf ihre oft reizbaren Golfverbündeten ein. Eine gute Politik würde beides zusammenlaufen und nach und nach, im Lauf des nächsten Jahrzehnts, die Region stabilisieren lassen.

Golfpolitiker fühlen sich beleidigt, wenn Obama (wie zu Tom Friedman von der "New York Times") sagt, dass "die größten Gefahren, denen sie sich gegenübersehen, nicht unbedingt von einem Angriff des Iran kommen, sondern aus ihren eigenen Ländern". Sie sollten sich keine Sorgen machen. Solch offene Worte sind Teil einer wahren Freundschaft und einer wahren Allianz. Übersetzung: Hilde Weiss