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ÖBB-Lokführer werden nun zur Europareife ausgebildet

Von Erika Bettstein

Wirtschaft

Auf der Suche nach effizienten Wegen zu mehr Wirtschaftlichkeit hat ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde eine neue Ausbildungs-Initiative auf Schiene gebracht, die Österreichs Lokführer "europafit" machen soll. Bestens ausgebildet sind die Lokführer der ÖBB schon jetzt - nun wird aber an einem neuen Schulungsprogramm gearbeitet, das den Einsatz von ÖBB-Lokführern auch im Ausland ermöglichen soll.


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Vor allem geht es dabei um den grenzüberschreitenden Bahnverkehr mit Österreichs Nachbarländern. Bislang muss der Lokführer an der Staatsgrenze nämlich getauscht werden: Während der ÖBB-Lokführer auf einen rückreisenden Zug wartet, den er dann übernimmt, besteigt ein Lokführer der jeweiligen Partnerbahn im benachbarten Ausland den Führerstand und setzt die Fahrt gemäß den Betriebs- und Sicherheitsbestimmungen des jeweiligen Landes fort.

Ausgenommen davon sind lediglich kurze Strecken zu grenznahen Bahnhöfen wie Sopron, Hegyeshalom und Bratislava sowie die Korridorverkehre durch Deutschland - etwa zwischen Salzburg und Kufstein - und einer speziellen Güterverkehrsverbindung nach München. Auf Hochtouren wird bei der ÖBB jetzt recherchiert und analysiert, erklärt der Wiener ÖBB-Sprecher Gary Pippan: "Um für diese neue Idee ein solides Ausbildungsprogramm erarbeiten zu können, müssen wir uns möglichst umfassende Informationen über die Betriebs- und Sicherheitsvorschriften, die in jedem Land unterschiedlich sind, beschaffen, und die entsprechenden Konzessionen einholen."

Lokführer müssen auch auf die Sprach-Schulbank

Damit die ÖBB-Lokführer künftig auch Strecken jenseits der Grenze befahren dürfen, müssen sie zumindest ein ausländisches Betriebssystem beherrschen - und zumindest eine nachbarliche Fremdsprache in Wort und Schrift erlernen.

"Dabei wollen wir natürlich auch Synergien nutzen", erklärt Pippan, "ein Lokführer, der bereits Fremdsprachenkenntnisse hat, verfügt natürlich über einen Startvorteil bei dieser Weiterbildung". Die Sprachbarriere stellt die größte Herausforderung dar: Denn auch im Einsatz in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn, Slowenien und Italien muss die Landessprache beherrscht werden. Die neuen Ausbildungsprogramme sollen darauf einen klaren Schwerpunkt setzen.

Großes Interesse an Weiterbildung zur "Elite"

Noch heuer sollen die berufsbegleitenden Ausbildungsprogramme stehen - ÖBB-interne Vorgespräche hätten ergeben, dass die Lokführer "sehr großes Interesse an der Fortbildung und an der künftigen grenzüberschreitenden Tätigkeit" haben, sagt Pippan. Der besondere Anreiz sei, danach jedenfalls zu einer "Lokführerelite" zu zählen - als finanzielles "Zuckerl" winken Gehaltszuschläge für die Arbeit im Ausland. Den größten Vorteil sollen nach Vorstellung der ÖBB allerdings die Bahnreisenden haben. Denn die ÖBB würden durch diese Maßnahme bedeutend an Handlungs- und Entscheidungsspielraum gewinnen: Zum einen falle dann der Lokführer-Wechsel als Zeitfaktor weg, zum anderen würde die Zugplanung und -führung flexibler werden.

Ein großes Plus in der Vorbereitung dieser europaweit bahnbrechenden Initiative sind die bisherigen Erfahrungen mit der Ausbildung von Lokführern für den grenznahen Verkehr - denn schon bis jetzt hat es dafür spezielle Schulungen in Ergänzung zur normalen 12-monatigen Lokführerausbildung inklusive ärztlicher und eignungspsychologischer Untersuchungen sowie einer kommissionellen Prüfung in Technik, Betrieb, Sicherheit und Praxis gegeben.

Die neuen Schulungsprogramme sollen jedenfalls zu Gunsten größtmöglicher Praxisnähe in Kooperation mit internationalen Bahn-Ausbildnern umgesetzt werden, betont Pippan.

http://www.oebb.at