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Israel und der Iran führen ihren Streit auf internationaler Bühne fort. Ein bisschen Selbstkritik würde beiden nicht schaden.
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Diplomatische Zurückhaltung? Fehlanzeige. Es war ein perfekt inszenierter Auftritt. Selbstbewusst, theatralisch und aggressiv. Die Münchner Sicherheitskonferenz musste heuer als Schauplatz eines verbalen Schlagabtausches zwischen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem iranischen Außenminister Mohammad Javad Zarif herhalten. Es ging den Opponenten offenbar vor allem darum, das international beachtete Forum bestmöglich zu nutzen, um eigene Positionen zu unterstreichen und Stärke zu zeigen. Etiketten und Höflichkeiten ließ man bewusst beiseite.
"Stellen Sie nicht Israels Entschlossenheit auf die Probe", hallte es durch den Raum. Netanjahu drohte den Persern am vergangenen Wochenende unverhohlen mit einem Angriff und warf ihnen erneut vor, die Sicherheit in der Region durch Terrorismus zu torpedieren. Außerdem warnte er erneut vor dem Atomdeal zwischen dem Westen und Teheran.
Auf dem Rednerpult in München hielt er ein Teil in die Höhe, das nach seinen Worten Teil einer Drohne war, die in den israelischen Luftraum eingedrungen war. "Kennen Sie das, Herr Zarif?", fragte Netanjahu. Doch Zarif saß gar nicht im Publikum. Passend zum Auftritt war auch der Abgang des israelischen Spitzenpolitikers mit dutzenden Sicherheitsleuten. Er ging, die Message des Tages blieb: Israel hat viel Macht und eine endenwollende Geduld.
Zarif konterte in seiner Replik ebenfalls aggressiv und rhetorisch ausgefeilt und warf Netanjahu Kriegstreiberei vor. Der iranische Chefdiplomat bezeichnete Israel als "Aggressor", der sich als Opfer stilisiere. Dann charakterisierte er Netanjahus Auftritt als "komödiantischen Zirkus, der keiner Antwort würdig" sei. Doch der Krieg der Worte wurde nicht nur in München ausgetragen.
Am gefährlichsten an diesem Krieg der Worte ist aber, dass ebendiesem ein richtiger Krieg folgen könnte. Am Sonntag nämlich bekam Zarif ein dickes Lob von höchster Stelle aus Teheran und die Muskelspiele wurden fortgeführt.
Der Oberste Geistliche Führer, Ayatollah Seyed Ali Khamenei, höchstpersönlich ging auf die Rolle des Außenministers ein. "Dem Feind muss man sich entgegenstellen und man muss standhaft sein. Unser Außenminister leistet hier eine ausgezeichnete Arbeit", so Khamenei. Nachsatz: "Wir wissen um seine Bemühungen Bescheid, nicht alles wird in den Medien berichtet." Khamenei betonte auch einmal mehr, dass der Atomdeal sein Land gelehrt habe, dass man gewissen Ländern nicht trauen kann.
Inmitten der ohnehin verworrenen Situation im Nahen und Mittleren Osten - Stichwort Iran-Saudi-Arabien, IS, Kurden und Türkei, Nahostkonflikt und die Krisen in Syrien, im Irak und im Jemen - ist eine weitere Eskalation das Letzte, was die Region derzeit braucht.
Israel und der Iran täten gut daran, einmal vor der eigenen Türe zu kehren, anstatt zu hetzen. Der Siedlungsbau bei den Israelis genauso wie der Umgang mit den Menschenrechten im Iran wären ein Anfang. Doch stattdessen tragen beide Länder ihre Rivalität militärisch im Bürgerkriegsland Syrien aus. Die jüngste Serie von israelischen Angriffen auf persische Stützpunkte auf syrischem Gebiet als Reaktion auf den Abschuss eines israelischen Kampfjets war sicher nicht der letzte. 4000 zusätzliche Soldaten aus dem Iran in Syrien werden noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen.
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