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ÖGB: "Keine Kluft zwischen Arbeitern und Wissenschaft"

Von Brigitte Pechar

Politik

Gewerkschafter Wolfgang Katzian im Interview. | "Sind nicht grundsätzlich gegen Studiengebühren." | "Wiener Zeitung": Der ÖGB und vor allem die GPA-djp haben sich mit den Anliegen der Studierenden solidarisiert. Warum eigentlich? | Wolfgang Katzian: Der ÖGB hat sehr viel Sympathie für die Studentenproteste.


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Einerseits haben wir als Gewerkschaft das Gefühl, dass Themen wie die Aufrechterhaltung des Sozialstaats derzeit in Frage gestellt werden, siehe Transferkonto. Andererseits brauchen die Unis mehr Geld - wir fordern das seit Jahren. Unsere Gesellschaft steht im Wettbewerb zu anderen, und da können wir nur mit mehr Bildung reüssieren. Mehr Geld für die Unis ist daher unumgänglich.

Jetzt sagen aber viele Studien, dass das Lebenseinkommen der Akademiker höher ist als jenes anderer Arbeitnehmer und dass wir an unseren Universitäten immer noch eine soziale Selektion haben. Es gibt also ohne Studiengebühren eine Umverteilung von unten nach oben.

Es zeigt sich aber auch, dass für viele Arbeitnehmerfamilien Studiengebühren immer noch eine Hürde darstellen. Da müsste einmal ein Gegenkonzept vorgelegt werden. Wenn es eine Gesamtlösung gibt und der Zugang für sozial benachteiligte Kinder besser wird, werden wir uns einer Diskussion nicht verschließen. Vorher ist die Gewerkschaft über Gebühren nicht gesprächsbereit.

Fürchten Sie nicht, dass die Studierenden, die sich jetzt über die Solidarisierung der Gewerkschaften freuen, später wieder auf Sie vergessen?

Es gibt keine natürliche Kluft zwischen der Arbeiterbewegung und der Wissenschaft. Vor allem die GPA-djp hat eine starke Beziehung zu Studierenden - 10.000 unserer Mitglieder sind Schüler oder Studenten. Die Arbeitnehmerbewegung braucht Intellektualität und wir sind gerade dabei, stärkere Bande zu knüpfen. Mit jenen, die nur das schnelle Geld mit einem Studienabschluss verbinden, wird es allerdings schwer.

Bringen die Solidaritätsbekundungen der Studierenden einen Schub in die laufenden Lohnverhandlungen oder sind sie dafür irrelevant?

Irrelevant sind sie auf keinen Fall. Klar ist: Ein Arbeitskampf, sollte es dazu kommen, muss in den Betrieben geführt werden. Wenn es aber um gesellschaftspolitisch relevante Entscheidungen wie die Arbeitszeitgestaltung geht, ist ein Rückhalt wichtig. Je mehr Gruppen sagen, da spielen sie nicht mit, umso besser. In vielen Punkten treffen sich da die Anliegen der Studierenden und der Gewerkschaftsbewegung.

Wolfgang Katzian ist seit 2006 Vorsitzender der größten Teilgewerkschaft (der Gewerkschaft der Privatangestellten - Druck, Journalismus, Papier GPA-djp) und SPÖ-Nationalratsabgeordneter.