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Ohne schlagkräftiges AMS erlahmt der Arbeitsmarkt schon heuer

Von Petra Medek

Analysen

Aus dem Wirtschaftsministerium kommen Jubelmeldungen über den heimischen Arbeitsmarkt. Denn zum 22. Mal in Folge sind am Mittwoch in der eigens dafür einberufenen Pressekonferenz sinkende Arbeitslosenzahlen präsentiert worden.


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Kaum jemand wird bezweifeln, dass der brummende Konjunkturmotor der einzige wesentliche Antrieb für den Abbau der Arbeitslosenzahlen ist. In Zeiten der Hochkonjunktur ist es nicht schwierig, gute Arbeitsmarktdaten vorzuweisen - auch wenn es noch weniger Arbeitslose sein könnten, wie etwa die Arbeiterkammer unermüdlich vorrechnet.

Die strukturellen Probleme, die es auf dem heimischen Arbeitsmarkt gibt, stechen in Zeiten der Hochkonjunktur weniger ins Auge. Wenn sich das wirtschaftliche Gesamtwachstum allerdings abschwächt - und das wird aller Voraussicht nach schon heuer der Fall sein -, treten allerlei Defizite wieder deutlicher zu Tage.

Der Mangel an Facharbeitern und diverse Schieflagen in der Ausbildung mögen sich zwar abschwächen, werden sich aber auch in einer Phase der wirtschaftlichen Abkühlung nicht in Luft auflösen. Unerfreuliche Realität ist auch, dass bis dato weiterhin Rezepte für die Wiedereingliederung älterer Arbeitnehmer fehlen. Der Arbeitsmarkt wird außerdem immer volatiler, immer mehr Menschen sind zumindest einmal in ihrem Leben Kunden beim Arbeitsmarktservice (AMS).

Vor diesem Hintergrund ist aktive Arbeitsmarktpolitik dringend gefragt. Mit anderen Worten: Nur rechtzeitige und ganz gezielte Finanzspritzen können die Effizienz des AMS soweit steigern, dass es annähernd auf die Heterogenität seiner Klientel eingehen kann.

Der Sozialpartnervorschlag dafür liegt auf dem Tisch und wird gerade von der Politik verhandelt: Neben anderen Maßnahmen soll demnach das Arbeitsmarktservice 150 zusätzliche Berater erhalten, die Kosten dafür werden etwa sieben Millionen Euro betragen.

AMS-Chef Johannes Kopf bemüht sich seit rund eineinhalb Jahren darum, seiner Institution ServiceCharakter einzuhauchen - und ein Verbesserungspotenzial gibt es beim AMS allemal. Derzeit liegt etwa die durchschnittliche Beratungsdauer bei Erstgesprächen mit Arbeitsuchenden bei mageren neuneinhalb Minuten.

Um das von der Regierung gesteckte Ziel der Vollbeschäftigung bis 2010 zu erreichen, werde man an allen erforderlichen Schräubchen drehen, hat Staatssekretärin Christine Marek am Mittwoch vor der Presse erklärt. Bleibt zu hoffen, dass die in Bewegung gesetzten Rädchen auch wirklich greifen.