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Ohne Zugpferde kommt Export nicht auf Trab

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Die Stunde der Wahrheit steht für Maschinenbauer erst bevor. Foto: Andreas Hofer

Ausfuhren brachen im ersten Halbjahr um ein Viertel ein. | KTM beendet Kurzarbeit - Indiz für Aufschwung? | Wien. Die erfolgsverwöhnten heimischen Exportunternehmen müssen weiter Federn lassen: Um 25 Prozent brachen die Warenexporte im ersten Halbjahr in Österreich ein, der Umsatz fiel auf 45,849 Mrd. Euro.


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Herbe Rückschläge gab es vor allem für die wichtigste Exportgruppe Maschinen und Fahrzeuge, so aktuelle Daten der Statistik Austria. Auch der Absatz von bearbeiteten Waren ging im ersten Halbjahr 2009 im Jahresvergleich um ein Drittel zurück.

"Uns sind die Zugpferde Deutschland und Osteuropa weggebrochen, auf die zuletzt 30 beziehungsweise 19 Prozent der Ausfuhren fielen", erklärt Yvonne Wolfmayr, Außenhandels-Expertin beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

Eine leichte Besserung erhoffen sich die Wirtschaftsexperten für die zweite Jahreshälfte: Das Wifo rechnet mit einem Exportminus von 15 Prozent im nächsten Halbjahr. Die Begründung: "Es schaut besser aus, weil die Konjunkturprogramme bei den wichtigsten Handelspartnern dann greifen", sagt Wolfmayr.

Auch aus der Wirtschaftskammer heißt es optimistisch: "Mit Juni scheint die Talsohle erreicht." Doch spiegeln die Prognosen am Blatt auch tatsächlich den Zustand in den Werkshallen wider?

Die Berichte aus der Praxis sind zweigeteilt: Nach dem Stahlhersteller Voestalpine kündigte am Freitag auch der oberösterreichische Motorradhersteller KTM Power Sports vorzeitig das Ende der Kurzarbeit an. Der weltweite Händler-Lagerstand sei schneller als erwartet abgebaut worden. Zudem liege für den Herbst eine gute Auftragslage vor, begründete KTM. Ab Mitte September startet die Produktion wieder in vollem Umfang, 733 Mitarbeiter kehren um eineinhalb Monate früher als geplant zur Normalarbeitszeit zurück.

Kein Kapital, kein Kauf

Kaum Signale für rosigere Zeiten gibt es hingegen in der Maschinenbau-Branche: "Wir haben alle geglaubt, dass die Konjunkturpakete früher greifen, doch wir spüren nichts davon", sagt Karl Grabner, Vorstandsmitglied des steirischen Maschinen- und Anlagenbauers Binder+Co. Der noch passable Umsatz der letzten Monate basiere auf einem Auftragspolster aus dem Vorjahr. Die Stunde der Wahrheit steht noch bevor. Während sich der Verkauf von Einzelmaschinen - wie etwa Sortiergeräten für Glas-Recycling oder Verpackungsautomaten - konstant entwickle, sei die Nachfrage nach großen Anlagen in Osteuropa sehr schwach, so Grabner. Die Unternehmen würden zwar Interesse an den Anlagen zeigen, bekämen aber keine günstige Finanzierung für die Projekte, die bis zu 10. Mio. Euro kosten. Wann sich die Situation entspannt, ist laut dem Maschinenbauer angesichts der langen Vorlaufzeit bei Bestellungen nicht vorhersehbar.

Die Wirtschaftsforscher orientieren sich indes an der Erfahrung aus der Vergangenheit. "Als Erstes springt die Exportnachfrage nach Rohstoff-Vorprodukten wie Stahl & Co an. Es folgen die bearbeiteten Waren und zum Schluss Maschinen und Fahrzeuge", berichtet Wolfmayr.