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Ohne Zukunftsperspektive und Macht geht gar nichts

Von Walter Hämmerle, Alpbach

Europaarchiv

Mit dem Ende des Kalten Krieges hat so mancher Staatsmann von einer "neuen Weltordnung" geträumt, die zu einem Ende der Gewalt in den zwischenstaatlichen Beziehungen führen hätten sollen. Tatsächlich ist der "klassische Krieg", also die militärische Auseinandersetzung zwischen Staaten, so gut wie verschwunden. Ob es heute aber tatsächlich weniger Gewalt gibt, ist höchst zweifelhaft. Denn an die Stelle des Krieges trat die Krise, die nun vorwiegend innerhalb anerkannter Staaten auf Grund ethnischer, religiöser, sozialer oder wirtschaftlicher Konflikte auftritt. Das Forum Alpbach widmete sich im Rahmen der Politischen Gespräche dieser Herausforderung an die internationale Gemeinschaft.


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Mangelhafte Information über die Hintergründe und Ursachen, schlecht oder nicht funktionierende Frühwarnsysteme, die enormen Schwierigkeiten der internationalen Gemeinschaft, gemeinsam zu handeln: So skizziert Rumäniens Außenminister Mircea Geoana die größten Hürden, die erfolgreichen Krisenpräventionen und -management heute entgegenstehen. Mit Blick auf die Balkan-Region stimmt ihn lediglich das Heranwachsen einer neuen Generation optimistisch, die bereit und fähig sei, die bestehenden Gräben zu überbrücken. Notwendig sei nun das Setzen klarer Prioritäten, wie den Aufbau einer neuen Bürokratie ohne Korruption sowie die Entwicklung einer gemeinsamen Philosophie für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.

Schrittweise lernen

Immerhin ein "schrittweises Lernen" aus den Fehlern der Geschichte gesteht der Koordinator des Balkan-Stabilitätspaktes, Erhard Busek, der internationalen Gemeinschaft in diesem Bereich zu. Schließlich habe die Geschichte gezeigt, dass noch jeder Zusammenbruch eines großen Imperiums zum Ausbruch von Kriegen geführt habe. Diese Entwicklung sei jedoch beim Zusammenbruch der Sowjetunion verhindert worden - zumindest dann, wie Busek eingesteht, wenn man bereit sei, über Tschetschenien und einige andere Beispiele "großzügig hinwegzusehen". Entscheidend ist für Busek, dass die internationale Gemeinschaft den Konfliktparteien eine Zukunftsperspektive bieten kann. Nur dann sei ein Ende der Gewalt und eine Lösung der Probleme möglich. Für den Balkan sei diese Zukunftsperspektive die europäische Integration gewesen. Daneben hält Busek die Bereitschaft zu einem langfristigen Engagement der internationalen Gemeinschaft, Investitionen in die Bildung und Ausbildung sowie die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Kooperation in der Region für entscheidend für den Erfolg.

Europäische Integration

Trotz der sich nun endlich einstellenden Erfolge des internationalen Engagements auf dem Balkan warnt Busek aber vor zu großer Euphorie: Die Arbeit sei noch längst nicht erledigt.

Eine neue Wendung gibt dann Martin van Creveld von der Hebräischen Universität in Jerusalem der Diskussion über Krisenmanagement. "Was nützt einem die schönste Analyse über Ursachen und Hintergründe der Krise, wenn man nicht über die militärischen Mittel verfügt, um die sich aus der Analyse ergebenden Schlussfolgerungen auch in die Tat umzusetzen?", fragt er rhetorisch. Vor allem für die Ohnmacht der Europäer in Nahost hat er beißenden Spott übrig, und er kann und will sich auch nicht einen Seitenhieb auf die aktuelle Lage in Österreich nicht verkneifen: "Österreich ist ein schönes Land, aber ohne militärische Mittel kann man nicht einmal die heiß geliebte Neutralität verteidigen."