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Mehr als 12.000 Kilometer arbeiteten sich RBB-Reporter (Rundfunk Berlin-Brandenburg) für die spannende fünfteilige Reisereportage "Immer ostwärts - von Berlin bis Wladiwostok" mit der Kamera durch Ukraine, Zentral- und Ostasien. In Teil drei am Mittwoch erreichte man Kasachstan, eine ehemalige Sowjetrepublik, die wie viele andere seit 1989 versucht, dieses schwere Erbe abzuschütteln. Tatsächlich stieß man in einem Bauerndorf auf eine zukunftsweisende Initiative, die ökologisch verträglichen Tourismus organisiert. Die Familien müssen dazu nicht nur gewisse bauliche Mindeststandards für ihre Gäste erfüllen, sondern auch echte Folklore, traditionelle Trachten und lokale Spezialitäten bieten. Unter anderem sah man, wie alte Weiblein mit noch älteren Pedal-Nähmaschinen kunstvolle Wandteppiche herstellten. Die Initiatoren der Initiative sitzen in den USA und Europa.
An die Russen erinnert in Ost-Kasachstan das frühere Atomwaffen-Testgelände bei Semipalatinsk, wo ungeachtet der Strahlengefahr bis heute 340.000 Menschen leben. Die Rote Armee testete hier von 1949 bis 1989 ober- und unterirdisch Atombomben, aus einem riesigen Bombenkrater entstand sogar der "Atomsee". Ein Anrainer erzählte lächelnd, vor jedem Test seien Soldaten erschienen, hätten Wodka auf den Tisch gestellt und den Leuten geraten, die Häuser zu verlassen. Bald danach habe die Erde gebebt. Nach der Schließung sei am Gelände massenhaft Schrott herumgelegen, den die Leute sammelten und verkauften. Wohin das schwer verstrahlte Metall gelangte, weiß niemand. In jüngster Zeit versucht eine Bürgerinitiative mittels Geigerzähler, Betroffene und Behörden aufzurütteln. Noch mit mäßigem Erfolg.
½medienkritik@wienerzeitung.at½

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