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OMV findet Öl in südlicher Sahara

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Drei Viertel der Ölreserven liegen in Opec-Ländern. | "Das Öl geht nicht so bald zu Ende". | Wien. Die OMV hat im Murzuk Becken, etwa 800 Kilometer südlich der libyschen Hauptstadt Tripolis, Öl gefunden. Der als "signifikant" bezeichnete Fund ist der fünfte in diesem Gebiet innerhalb von fünf Jahren.


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Eine erste Testförderung ergab bis zu 2060 Barrel hoch qualitatives Öl pro Tag, teilte die OMV am Montag mit. Gemeinsam mit den Konsortialpartnern - der staatlichen libyschen Ölgesellschaft NOC, Repsol (Betriebsführer), Total sowie Hydro - wird der Fund nun weiter evaluiert.

"Libyen ist eine unserer Kernregionen, eine der Säulen unseres unseres internationalen Explorations- und Produktionsportfolios", so OMV-Vorstand Helmut Langanger. Insgesamt produziert die OMV in Libyen derzeit 27.500 Fass pro Tag, seit 1975 ist man im Land engagiert.

OMV fördert 340.000 Fass pro Tag selbst

Die OMV fördert in 17 Ländern Öl und Gas, die sich auf fünf Kernregionen aufteilen: den Donau-Adria-Raum, Nordafrika, die britische Nordsee, den Mittleren Osten/Kaspische Region und Australien/Neuseeland. Aus Südamerika zieht sich die OMV zurück, in Russland möchte man dagegen neu Fuß fassen. Durch den Erwerb von 51 Prozent an Petrom, dem größten rumänischen Erdölunternehmen, liegt die Tagesproduktion der OMV bei rund 340.000 boe (barrel oil equivalent) davon immerhin 40.000 in Österreich. Damit kann man rechnerisch etwa zwei Drittel der in eigenen Raffinerien verarbeiteten Mengen selbst fördern. Die gesamten Öl- und Gasreserven betragen rund 1,4 Mrd. boe - damit ist man der führende Öl- und Gaskonzerns Mitteleuropas.

Es sei verfehlt zu glauben, der Welt werde in absehbarer Zeit "das Öl ausgehen" - auch wenn laut Internationaler Energieagentur trotz aller Sparbemühungen und Zuwächsen bei erneuerbaren Energieträgern zwei Drittel des erwarteten Energiebedarfszuwachses bis 2030 wieder auf Öl und Gas entfallen werden. "Die physische Verfügbarkeit des Öls ist nicht das Problem", sagt OMV-Manager Wolfgang Ernst - "es geht um Zugang zu den Ressourcen, Investitionen und Technologie."

Bessere Ausbeute deckt ein Jahr Energiebedarf

Je besser die Technik, desto besser könnten etwa die vorhandenen Lagerstätten ausgebeutet werden. Derzeit werden diese nur zu 35 Prozent ausgeschöpft, dieser Wert sei in Einzelfällen heute schon auf bis zu 70 Prozent steigerbar. Eine um nur einen Prozentpunkt höhere Ausbeutung der Lagerstätten entspreche einem Jahresenergiebedarf der ganzen Welt. Die weltweiten bewiesenen Ölreserven belaufen sich derzeit auf 1.189 Mrd. Barrel, 75 Prozent davon liegen in Mitgliedsländern der OPEC. Die bewiesenen Reserven seien aber nur ein kleinerer Teil des tatsächlich vorhandenen "konventionellen" Öls. Und darüber hinaus gibt es noch geschätzte 8.000 Mrd. Barrel "unkonventionelles Öl" in Sand und Schiefer, dessen Abbau eine Frage des Ölpreises und der dafür nötigen Investments sei.

Derzeit beliefen sich bei konventioneller Förderung im Extremfall - eine Tiefseebohrung in der Nordsee - die Kosten auf 15 Dollar pro Fass. Die Kosten für den Abbau und die Weiterverarbeitung von Ölsanden seien da nicht mehr weit entfernt.

Derzeit würden in den Ölsektor weltweit 150 Mrd. Euro pro Jahr investiert - gut 60 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Aber: "Das wird noch zu wenig sein, "wir glauben, dass sich die Investitionen in Richtung 200 Mrd. Euro bewegen müssen", meint Ernst. Die höheren Investitionsausgaben würden aber erst in einigen Jahren eine substanziell höhere Treibstoffproduktion erlauben. "Die Kapazitäten vor allem in Asien stehen noch nicht, das dauert alles seine Zeit." Bis die geplanten zusätzlichen 16 Millionen Barrel pro Tag am Markt seien, werde am Öl- und Treibstoffmarkt die "härtere Phase" andauern - "da müssen wir durch".