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OMV - quo vadis?

Von Karl Leban

Wirtschaft
© OMV

Die neuen Antriebstechnologien in der Mobilität zwingen den heimischen Energieriesen, sich breiter aufzustellen. Auf längere Sicht verliert für ihn das klassische Ölgeschäft an Bedeutung.


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Wien. Mit einem Jahresumsatz von mehr als 19 Milliarden Euro und zuletzt gut 21.100 Mitarbeitern ist die teilstaatliche OMV Österreichs größter Industriekonzern. Zudem ist das börsennotierte Wiener Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 17 Milliarden Euro in der heimeischen Firmenwelt das wertvollste.

Ob derlei Superlative auch noch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren gelten, hängt freilich davon ab, inwieweit es der OMV gelingt, auf die Fragen zur Zukunft von Energie und Mobilität strategisch richtige Antworten zu finden. Für den weltweit tätigen heimischen Konzernriesen geht es dabei insbesondere um einen geschäftlichen Wandel.

Denn langfristig gesehen verliert das klassische Ölgeschäft an Bedeutung, und damit werden der OMV nicht unerhebliche Umsatzbrocken wegbrechen. Schließlich zeichnet sich immer deutlicher ab, dass neue Antriebstechnologien in der Mobilität die Zukunft weisen und das Ende des Verbrennungsmotors somit eingeläutet ist. Vor allem deshalb hat die OMV bereits vor Jahren begonnen, wie sie betont, Forschungsprojekte aufzusetzen und in neue, vielversprechende Technologien zu investieren, um die Tür für Geschäftsalternativen aufzustoßen und sich allenfalls schon jetzt breiter aufzustellen.

OMV setzt nunstärker auf Gas als auf Öl

"Der Energiemix der Zukunft wird vielfältig sein", ist man bei der OMV überzeugt. Autofahrer etwa sollen demnach nicht nur so wie bisher Diesel und Benzin tanken können - sondern auch Erdgas, Elektronen und Wasserstoff. Sich einzig und allein auf die E-Mobilität verlassen will die OMV jedenfalls nicht.

Große Stücke hält der Konzern unterdessen auf Gas. Ende Oktober hat die OMV in Pakistan die Produktion im Sofiya-Gasfeld aufgenommen und damit ihre Tagesproduktion in Pakistan um 425.000 Kubikmeter Gas und 1400 Fass Kondensat erhöht. Das entspricht rund 2300 Barrel Öl-Äquivalente pro Tag. 2016 lag die Gesamtproduktion der OMV bei rund 311.000 Barrel Öl-Äquivalente pro Tag.

Vermutlich ab 2025 werde der Ölverbrauch in Europa sinken, nicht jedoch der Gasverbrauch. Daher will die OMV künftig stärker auf den Energieträger Gas als auf Öl setzen. Aktuell gebe es einen 50:50-Mix, künftig soll der Gasanteil jedoch höher sein. Eines der Großprojekte dabei ist die geplante knapp 25-prozentige Beteiligung an dem russischen Gasfeld Urengoj, einem der größten der Welt. Dass Gas bei der OMV in Zukunft einen zunehmend höheren Stellenwert haben soll, unterstreicht auch die Beteiligung an Nord Stream II, dem Pipeline-Megaprojekt des russischen Energieriesen Gazprom.

Unabhängig davon arbeitet die OMV "an Energielösungen für die Mobilität der Zukunft", wie sie betont. "Diese umfassen die Wasserstoff-Mobilität ebenso wie Schritte in Richtung E-Mobilität."

Ihr Netz aus bisher vier Wasserstoff-Tankstellen will die OMV in den kommenden Monaten auf insgesamt fünf Stationen erweitern, womit dann laut ihren Angaben der Lückenschluss über das hochrangige Straßennetz im Inland vollzogen ist. Die erste Wasserstoff-Tankstelle hat sie vor fünf Jahren in Wien eröffnet.

Bei Elektro-MobilitätSchulterschluss mit Verbund

Geht der Trend vor allem bei Lastkraftwagen in Richtung Wasserstoff-Antriebe, geht es bei Pkw im Regelfall in Richtung elektrische Antriebe. Für die Elektro-Mobilität will die OMV gemeinsam mit Österreichs größtem Stromerzeuger, dem ebenfalls teilstaatlichen Verbund, Infrastruktur aufbauen. Die Kooperation soll über die vom Verbund ins Leben gerufene Firma Smatrics erfolgen. Dieses Unternehmen betreibt in Österreich ein Netz von aktuell mehr als 380 Ladestationen, die zur Gänze mit "grünem", zu 96 Prozent CO2-frei erzeugtem Strom aus den Verbund-Kraftwerken gespeist werden. Smatrics wird von OMV und Verbund als Joint-Venture geführt werden, die OMV wird sich mit 40 Prozent einkaufen. Zunächst wollen beide Partner den Ausbau des Ladenetzes auf Österreich und Deutschland konzentrieren. Im Anschluss daran soll eine mögliche Expansion in die benachbarten Länder Tschechien, Slowakei, Slowenien und Ungarn geprüft werden.

Ebenfalls ein wichtiger Punkt auf der aktuellen OMV-Agenda ist die neue Technologie Co-Processing. Wie die OMV erklärt, werden dabei biogene Einsatzstoffe gemeinsam mit fossilen, erdölbasierten Rohstoffen in der Raffinerie verarbeitet (Stichwort Biotreibstoff). "Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energie im Mobilitätsbereich geleistet", wird in der Konzernzentrale betont.

Neben Co-Processing setzt die OMV auch auf eine andere innovative Technologie, und zwar auf ein Recycling-Verfahren namens "ReOil". Dabei werden Altkunststoffe zu synthetischem Rohöl umgewandelt. Dieses wird dann in der Raffinerie zu Sprit weiterverarbeitet oder dient der Kunststoffindustrie als Grundstoff.