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Online-Kampf um einsame Herzen

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Liebe ist kein Zufall: Wer im Internet auf Partnersuche geht, erwartet sich immer mehr Angebote, die auf ihn zugeschnitten sind.
© © Bauer Alex - Fotolia

Im Web tummeln sich hunderte Partnerbörsen. | Seit Facebook nimmt der Kampf um Marktanteile zu.


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Wien. Online-Dating ist für Singles in den letzten Jahren so selbstverständlich wie Zugfahren geworden. Für die Anbieter selbst war es ein wirtschaftlicher Selbstläufer. Verlage und Großkonzerne, die Portale wie love.at, elitepartner.at oder parship.at aufzogen, verdienten mit der Kuppelei im Internet Milliarden. Wohl gemerkt alleine durch die monatlichen Mitgliedsbeiträge, ohne viel Werbung. Die favorisierte Zielgruppe: kaufkräftige Singles zwischen 30 und 55 - mit "hohem Niveau."

"Wer im Internet Geld verdienen möchte, der gründet am besten eine Singlebörse", hieß lange die Devise. Eine Devise, die sich scheinbar zu viele zu Herzen nahmen. Allein am österreichischen Markt tummeln sich mittlerweile mehrere hundert Flirtportale, schätzen Experten. Während die Österreicher im Jahr 2009 noch insgesamt 14,5 Millionen Euro für die Online-Partnersuche zahlten und die Kuppelseiten ein Wachstum von 18 Prozent verbuchten, wächst der Markt nun nur mehr langsam.

"Für die meisten Anbieter ist das Geschäft nicht mehr profitabel. Kleinere Anbieter und Singlebörsen der ersten Generation werden dem Wettbewerb zum Opfer fallen", schätzt etwa David Khalil, Gründer der deutschen Partnerbörse edarling, die gemeinsam mit elitepartner und parship in Österreich an der Spitze der Online-Kontaktbörsen mitmischt.

Agenturen verdienen mit Monats-Gebühren

Die Ursachen für das schwindende Wachstum: Durch kostenlose Social Networks wie Facebook haben die Kontaktbörsen starke Konkurrenz bekommen. Hinzu kommt, dass seit den Anfängen der Branche im Jahr 2002 die Nichtnutzer bereits zu Online-Nutzern konvertiert sind. "Von einer Million Singles in Österreich sind schon rund die Hälfte online. Wie am Mobiltelefonmarkt auch, ist die Erstausstattungswelle vorbei, jetzt geht es um Verdrängung", gibt Jost Schwaner, Geschäftsführer von elitepartner offen zu.

Die deutschen Partnervermittler - mit 150.000 Mitgliedern seit 2005 in Österreich vertreten - arbeiten wie viele Mitbewerber auch nach dem "Matching-Prinzip": Für einen Mitgliedsbeitrag zwischen 20 und 60 Euro monatlich erstellt der Partnervermittler anhand eines Fragebogens ein Persönlichkeitsprofil. Nach dem Motto "Liebe ist kein Zufall" werden anschließend Personen mit ähnlichen Eigenschaften zugeordnet.

Während Agenturen, die mit dieser "psychologischen Vermittlung" arbeiten, für 2011 noch mit Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent rechnen, könnten Kontaktanzeigenseiten, bei denen sich die Nutzer die Partner eigenständig aussuchen müssen, bereits stagnieren, schätzen Experten. In diesem Segment sind etwa Anbieter wie love.at, FriendScout24.at oder websingles.at tonangebend.

Kuppelseite für Katholiken

Monatlich loggen sich rund 700.000 Österreicher in die Dating-Portale ein. Zusätzliche 250.000 User nutzen "Adult-Dating"-Angebote, bei denen es um kurzzeitige Liaisons geht. Vor allem Seitensprungagenturen seien im Vormarsch, sagt Daniel Baltzer vom Branchenportal singleboersen-vergleich.at. "Sie haben für sich eine Nische entdeckt."

Entscheidungskriterien wie Aussehen, Hobbys oder Lebensplanung reichen demnach vielen Singles bei der Online-Partnersuche nicht mehr aus. "Die Kunden erwarten sich immer mehr Angebote, die auf sie zugeschnitten sind", erklärt Sandra Gabler, Geschäftsführerin von Parship-Österreich. Die Kontaktbörse, die seit 2002 hierzulande online ist und 350.000 Kunden zählt, bietet daher etwa mit "gayparship" ein Service für gleichgeschlechtliche Partnersuche.

Andere Agenturen im deutschsprachigen Raum versuchen indes über Nischen wie Verkuppeln für Katholiken, Dickleibige oder Alleinerziehende an einsame Herzen heranzukommen. Auch Agenturen, die überprüfen, wie gut ein Partner geruchsmäßig oder von der Gesichtsform her zum nächsten Date passt, sind bereits online.

Wer indes nicht auf dieser Welle mitschwimmen möchte, kann auch einfach nur ein Jahrzehnt absitzen. "Mit der jetzigen Generation Internet - die heute 20-Jährigen - wächst in zehn Jahren eine neue riesige Kundengruppe heran", prognostiziert Branchenexperte Daniel Baltzer.