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Oranges Experiment bringt neuen blauen Star nach oben

Von Walter Hämmerle

Politik

Haider und Co spalten sich von der FPÖ ab. | Strache steigt zum blauen Hoffnungsträger auf. | Wien/Klagenfurt. Worüber in den Wochen und Monaten zuvor heftig spekuliert wurde, wurde am 4. April 2005 zur Gewissheit: Jörg Haider und mit ihm das gesamte freiheitliche Regierungsteam kehrten der FPÖ an diesem Tag den Rücken und riefen das orange Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) unter der Führung des Kärntner Landeshauptmanns ins Leben. Da diesem Schritt auch die überwiegende Mehrheit des freiheitlichen Parlamentsklubs folgte, blieb die Regierungsmehrheit gewahrt.


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Der Spaltung waren monatelange interne Auseinandersetzungen über den Kurs der FPÖ vorangegangen. Immer mehr Funktionäre machten die Regierungsbeteiligung für den steten Niedergang der FPÖ seit 2000 verantwortlich und erhofften sich von einem Gang zurück in die Opposition die Rückkehr alter Wahltriumphe. Wortführer dieser Gruppe waren der junge Wiener Landesparteiobmann Heinz-Christian Strache, Volksanwalt Ewald Stadler sowie EU-Abgeordneter Andreas Mölzer.

Die - nunmehr orange - freiheitliche Regierungsmannschaft hatte damit das Gesetz des Handelns vorerst wieder auf ihrer Seite. Allerdings geriet die neue Bewegung rasch ins Stocken. Vor allem die freiheitliche Basis stand dem orangen Projekt mehrheitlich skeptisch gegenüber, nur die Kärntner FPÖ folgte Haider fast geschlossen. Probleme bereitete dem BZÖ auch die inhaltliche Neupositionierung, die zwischen liberaler Mittelstandspolitik und protektionistischer Globalisierungskritik schwankte.

Endgültig den Stimmungsumschwung zugunsten der FPÖ, die mittlerweile Heinz-Christian Strache zu ihrem neuen Bundesparteiobmann gewählt hatte, brachten die drei Landtagswahlen im Herbst. Während das BZÖ im Burgenland erst gar nicht kandidierte und sowohl in der Steiermark als auch in Wien am Einzug in den Landtag scheiterte, untermauerte die FPÖ ihren Führungsanspruch im freiheitlichen Lager. Mit 14,6 Prozent der Stimmen in Wien stieg Strache sogar zum neuen Hoffnungsträger der Blauen auf. Für Haider und sein BZÖ kommt die ultimative Bewährungsprobe bei den Nationalratswahlen im kommenden Herbst.