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ORF-III und seine Feinde

Von Bernhard Baumgartner

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Nun ist es also definitiv: Der ORF darf aus TW1/ORF Sport Plus jeweils einen eigenen Spartensender machen und diese auch bewerben. TW1 wird am 26. Oktober zu ORF-III, einem Kanal, der sich auf Information und Kultur spezialisieren soll. Darauf haben sich ORF und Bundeswettbewerbsbehörde geeinigt.

Ein Detail ist dabei interessant: Schon im Vorfeld liefen die österreichischen Privatsender dagegen Sturm, dass der ORF das neue Programm "ORF-III" nennt und damit suggeriert, dass es sich um ein Vollprogramm - und nicht um einen Spartensender handelt. Gegen den Namen kamen sie nicht an, jedoch erwirkten sie ein Verbot, dass der ORF dafür werben wird, den Sender auf dem Programmplatz drei auf der Fernbedienung einzuprogrammieren. Dieser Platz ist in Österreich für den Privatsender ATV vorgesehen, der dafür auch Werbung machte. Dieses Detail ist interessant. Und zwar deshalb, da sowohl bei digitalem Kabel als auch digitalem Sat sowie auch auf den meisten DVBT-Boxen die Auswahl der Kanäle längst nicht mehr durch die TV-Fernbedienung erfolgt, sondern durch den Programmguide. Dort sind die Belegungen vorprogrammiert - werden also von der Industrie so geliefert. Die Regelung zielt also offensichtlich nicht auf eine Bevormundung der Zuseher ab, sondern darauf zu verhindern, dass der ORF durch eine gewisse Marktmacht die Industrie dazu bewegt, den neuen Kanal nach vorne zu bugsieren und damit die anderen (privaten) Sender nach hinten. Dabei spekuliert man offenbar darauf, dass das Gros der Zuseher ohnehin zu faul ist, sich eine eigene Liste ganz nach Wunsch zusammenzustellen. Ob man es unterschätzt?