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Organe vom Bauernhof

Von Katharina Schmidt

Wissen

Beim XX. Internationalen Transplantationskongress im Austria Center Vienna richteten gestern Transplantationsexperten ihren Blick in die medizinische Zukunft. Geht es nach den Wissenschaftlern, soll es bereits in einigen Jahren die Möglichkeit geben, Menschen die Organe von Schweinen einzupflanzen.


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Weltweit benötigen immer mehr Menschen neue Organe, doch die Zahl der Spender bleibt ungeachtet zahlreicher Kampagnen konstant. Um diesen "Organmangel" auszugleichen, haben Forscher jetzt das Schwein als Spender entdeckt. "Schweine haben die richtige Größe, sind leicht nachzuzüchten und eine Genmanipulation ist möglich," meint David Sachs, Direktor des "Transplantation Biology Research Center" in Massachusetts (USA). Diese Tatsachen haben sich die Wissenschaftler zu Nutze gemacht und versuchsweise Schweine-Organe Pavianen eingepflanzt. Das Hauptproblem stellten dabei Zuckerreste an der Oberfläche der Schwein-Gefäßzellen dar, die zu einer akuten Abstoßung des Organs durch den Empfänger führen. Um dies zu umgehen, entwickelten die Forscher genetisch manipulierte Minischweine, mit "zuckerfreien" Organen. Das längste derartige Organ arbeitete 83 Tage normal im Körper eines Affen, was eine hohe immunologische Toleranz bedeutet. Dieses Ergebnis ist laut Sachs ein wichtiger Schritt in Richtung "Xenotransplantation" auch beim Menschen. Derzeit versuchen die Forscher, möglicherweise vom Schwein auf den Menschen übertragbare Viren zu finden und zu entschärfen. Auch drohen bei Xenotransplantationen Thrombosen, die sich im Tierversuch jedoch schon durch eine medikamentöse Blockade von Zellen beim Empfänger verhindern ließen.

Der australische Forscher Ian McKenzie ist sich jedenfalls sicher, dass wir "am Beginn einer neuen Ära" stehen, was die Eindämmung des weltweiten Organmangels betrifft.